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Protestkunst Essener Park

Beim Moabiter Kunstfestival Ortstermin 17 war auch die Gruppe Protestkunst vertreten, die im Stadtteilladen Krefelder Straße 1 A ausstellte.

Worum ging es beim  „Essener Park“ seit den 1970er Jahren ?

Erinnerungen wurden wach, bei denen, die schon in den 1970er Jahren dabei gewesen waren.

Alle anderen staunten über den langen Atem des kreativen Protestes und die kunstvollen Einladungsplakate zu den Parkfesten.

Mehr hierzu:
https://silberahorn.wordpress.com/2016/08/12/40-jahre-buergerinitiative-essener-park-wir-leben-noch/

So sieht die grüne Oase im dicht bebauten Moabit am Abend im Sommer 2017 aus:

Der Korbballplatz und eine Sandkiste sind die magere Ausstattung für Sport und Spiel – zusätzlich zur Spielwiese und Büschen und herrlichen Bäumen

Im Hintergrund: die Wohnbebauung Essener Straße – des neuen Eigentümers AKELIUS

Gegen eine regelmäßige Nutzung (und Pflege) des Essener Parks durch Kitas gibt es kaum Einwände. Aber gegen eine Weggabe der „Geschützten Grünanlage“ aus dem Fachvermögen des Grünflächenamtes (wie im Sommer 2016 verlautbart, dann aber vor der AH- und BVV-Wahl aus der Diskussion genommen) wehren sich BürgerInnen – wie in den 1970er Jahren!

Das Schild „Geschützte Grünanlage“ am Zugang zum Essener Park von der Essener Straße 3  aus. – Der ist allerdings verschlossen, vom neuen Eigentümer AKELIUS.

Mehr hierzu:

https://silberahorn.wordpress.com/2016/08/02/buergerinnen-und-buerger-schuetzt-eure-gruenanlage-essener-park-vor-umwandlung/

https://silberahorn.wordpress.com/2016/08/05/der-essener-park-soll-oeffentliche-gruenflaeche-bleiben/

14./17. Juli 2017,   B. Nake-Mann

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Essener Park und Bürgerbeteiligung – damals – und heute ?

ess-park-geschuetzt

Von einem, der dabei gewesen war, bei dem bürgerschaftlichen Engagement für Erhalt des Essener Parks als Grünfläche – gegen Bebauungsabsichten des Bezirksamtes Tiergarten in den 1970er Jahren ff – erhielt ich folgendes Schreiben:

Liebe Brigitte,
der Kampf um die Erhaltung des Essener Parks war Ende der 70-Jahre stark von der
Heilandsgemeinde und uns damaligen 3 Pfarrern unterstützt. Es gab auch viel
Unverständnis und Empörung von christlichen Kleinbürgern über dieses politische
Engagement von Pfarrern. Der Gemeindekirchenrat aber hat das Engagement
mitgetragen.
Besonders hat sich mein Kollege Gerhard Lietz damals eingebracht und etwas ganz
Ungeheuerliches vorbereitet und durchgeführt: Einen Protestgottesdienst auf der
Wiese im Essener Park.
Ich habe meine alten Unterlagen durchgesehen, habe leider aber über diesen
Gottesdienst nichts mehr gefunden.Es war der erste politische Gottesdienst, dem dann
in den folgenden Jahrzehnten bis noch nach 2000 viele „Politische Nachtgebete “
folgten.
Auch sonst habe ich nur als einziges noch im damaligen Gemeindeblatt 1978 einen
Artikel des anderen Pfarrerkollegen zur Sache gefunden. (siehe Anhang (1)  und (2) ).
In Erinnerung an die Essener Park-Auseinandersetzungen ist mir geblieben, dass wir
es uns damals mit der Bezirks CDU und ihrem Bürgermeister nachhaltig verscherzt
haben. Wir galten von da ab als die roten Pfarrer, und das steigerte sich dann noch in
den 80 zigern und Neunzigern anläßlich unser Gemeindeaktivitäten gegen
Umweltzerstörung/ Baumsterben/ AKWs / Nachrüstung/Hausbesetzungen: Es war
eine wilde Zeit!
Mit freundlichen Grüßen
Michael Rannenberg

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Michael Rannenberg war lange Pfarrer an der Heilandskirche in Moabit.

Frühere Beiträge zum Thema Essener Park auf dieser Seite:
Nach 40 Jahren …
Essener Park soll Grünfläche bleiben …
……..Schützt eure Grünanlage Essener Park!

B. Nake-Mann
30. Okt. 2016

 

40 Jahre Bürgerinitiative Essener Park – wir leben noch!

In der Verwaltung von Berlin Mitte gibt es Überlegungen, den „Essener Park“ in Moabit als „Geschützte Grünanlage“ aufzugeben. Das interessierte die „Stadtteilvertretung Turmstraße“ und alarmierte AnwohnerInnen. Über einen Ortstermin am 1. August 2016 haben wir auf der Silberahorn-Seite am 2. und 5. August berichtet. An diesem Ortstermin nahmen auch AktivistInnen der „Bürgerinitiative Essener Park“ teil. Sie schickten uns folgende Erinnerungen an bürgerschaftliches Engagement gegen Bebauungsabsichten in den 1970er Jahren:

Der Essener Park liegt in Moabit, das zu den dichtestbebauten Wohngebieten Europas gehört. Als es uns in den späten 70ern zu Ohren kam, dass der Essener Park, eine 6000 qm große baumbestandene Innenhoffläche im Block Essener/Krefelder/ Stromstr./Alt-Moabit bebaut werden sollte, war das über eine Anwohnerin, die als Mieterin vage über ein Bauprojekt „an der Essener Str.“ informiert worden war. Es gab noch keine Grünen, keine Linken, die damalige „Opposition“ im Rathaus Tiergarten bestand aus zwei (!) FDP-Bezirksverordneten gegenüber einer SPDCDU-Einheitsregierung.

Diese FDP-Verordneten waren es denn auch, die 1977 für uns eine kleine Anfrage im Bezirksparlament stellten, was es mit dem Gerücht über Baupläne auf sich habe. Wir erfuhren, dass die Bebauung mit einem Haus des älteren Bürgers seit 1972 geplant war.

Offizielles Modell der geplanten Bebauung: "Haus des älteren Bürgers" im Essener Park

Offizielles Modell der geplanten Bebauung: „Haus des älteren Bürgers“ im Essener Park (Anklicken vergrößert)

Wir gründeten die „Bürgerinitiative Essener Park“, verteilten ständig an die umliegenden Bewohner Infomaterial und veranstalteten unser erstes Essener-Park-Fest mit ca. 2000 Besuchern. Parallel engagierte sich die benachbarte Heilandsgemeinde mit mehreren Bürgerversammlungen, zu denen die geladenen Behördenvertreter regelmäßig nicht erschienen.

Der Rechtsweg gegen die Bebauung wird mit unserem Vertreter RA Reiner Geulen eingeleitet. Am 9.6.1978 wird vom Verwaltungsgericht entschieden: im Essener Park darf nicht gebaut werden. Gleichzeitig schrieben wir Rechtsgeschichte, denn erstmalig wurde auch Mietern ein Klagerecht auf Nachbarschutz eingeräumt. Wir plakatieren hoch oben auf einer Riesenleiter schwankend im Morgengrauen an einer Brandmauer unser Transparent: „Gerichtsentscheid in erster Instanz: der Essener Park bleibt ganz.“ Dieses halsbrecherische Unterfangen betrieben wir in der Folge öfter, nicht selten erwartete uns unten der Streifenbeamte.

Plakat 1Plakat 2

 

 

 

 

 

 

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts wurde dann am 5.10.1978 vom Oberverwaltungsgericht wieder aufgehoben. Allerdings mit einer denkwürdigen Begründung: „Der Senat teilt allerdings das bereits vom Verwaltungsgericht geäußerte Befremden darüber, dass hier ungeachtet der allenthalben erhobenen Forderung nach einer den modernen städtebaulichen Vorstellungen entsprechenden Entkernung der älteren Wohnblöcke in den Großstädten eine der seltenen vorhandenen großen und parkartig ausgestalteten Blockinnenflächen in einem besonders dicht besiedelten Stadtbezirk zum großen Teil überbaut werden soll …“

Der Essener Park im Sommer, ca 1977/ 1978

Der Essener Park im Sommer, ca 1977/ 1978

Die Bau- und Baumfällgenehmigung wurde dann erteilt.
Am 14.10.78 veranstalten wir die seit den Arbeiterdemos der 20er Jahre wohl größte Demo in Moabit für den Erhalt des Essener Parks. In der Heilandskirche findet am 13.12.78 ein Solidaritätskonzert des Brandenburgischen Kammerorchesters statt.

Deomonstration vor dem Rathaus Tiergarten - Wurche war Bürgermeister von Berlin-Tiergarten

Demonstration vor dem Rathaus Tiergarten –  Gottfried Wurche war von 1975-1978  Bürgermeister von Berlin-Tiergarten

Zusammen mit der Berliner Baumschutzgemeinschaft pflanzen wir eine „Wehrpappel“ im Park.
Eine Anwohnerin spendet mehrere tausend D-Mark für unsere Arbeit, darüber hinaus sammeln wir ständig bei den Moabitern für unsere Gerichtskosten.

Erstes Sommerfest im Essener Park

Erstes Sommerfest im Essener Park, 1977

 Jedes Jahr feierten wir ein großes öffentliches Essener-Park-Fest mit illustren berühmten Orchestern, Musik- oder Kabarettprogrammen, die alle kostenlos auftreten (das letzte 2005). Wir sind stadtweit bekannt.

Blick von oben auf das erste Sommerfest 1977 im Essener Park

Blick von oben auf das erste Sommerfest 1977 im Essener Park

Im März 1979 geben wir eine 30-seitige Broschüre über unsere Arbeit heraus.

Es muss 1981 gewesen sein, als der damalige Bausenator Harry Ristock kurz vor seinem politischen Ende entschied: der Essener Park wird nicht bebaut.
Plakat 3 Ristock

Nach 1978 waren die ersten „Alternativen“ in die Bezirksverordneten-versammlungen und ins Abgeordnetenhaus eingezogen, der SPD kamen massiv die Wähler abhanden.

Nun erfahren wir im August 2016, dass schon wieder über die Zukunft des Essener Parks diskutiert wird. Das Grünflächenamt will die geschützte Grünfläche angeblich loswerden. Um sie nicht an den neuen Besitzer der Essener-Str.-Bebauung Akelius zu verkaufen, der wohl Interesse an einer Bebauung hätte, erwägt man, die Fläche an das Jugendamt abzugeben, das dann Kitas etc. dort spielen lassen möchte.

Dennoch muss angesichts der neuesten Pläne des Bezirksamts, Hand an den Essener Park zu legen, an die unheilvolle Tradition in diesem Bezirk erinnert werden: wann immer Sozialflächen benötigt werden, werden diese von öffentlichem Grün genommen.

  • Der Fritz-Schloss-Park ist mittlerweile durch die Neubauten einer Schule und eines Kinderzentrums, Sportplätze etc. um mehr als ein Viertel seiner Fläche reduziert worden.
  • Der Carl-von-Ossietzky-Park wurde durch den Neubau eines Seniorenwohnhauses und einer Kindertagesstätte immer wieder verkleinert.
  • Beim Bau der Zille-Siedlung wurden viele hundertjährige Platanen unwiederbringlich zerstört, ebenso zugunsten der Straßenbahn in der Invalidenstr.
  • Beim „Umbau“ des Ottoparks und des Kleinen Tiergartens wurde zugunsten sozialer Einrichtungen massiv in den Baumbestand der öffentlichen Flächen eingegriffen.
  • Der Große Tiergarten verlor durch Kanzleramt, Carillon etc. viel Fläche.

Zum Schluss noch ein Satz, den der Moabiter Künstler Klaus Franken 1979 unter der Überschrift „Moabiter Zukunft“ auf einem Linoldruck verfasste:

Der Essener Park bleibt ganz,
das Rathaus wird abgerissen
und der Ottopark bis an die Markthalle herangeführt.
So wird langsam jeder Quadratmeter Boden
wieder sinnvoll genutzt.“

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

Bürgerinitiative Essener Park, August 2016


Die Bürgerinitiative SilberahornPLUS bedankt sich herzlich für diesen Bericht und die Fotos aus den 1970er Jahren!
B. Nake-Mann, 11. Aug. 2016

 

Dortmunder Straße – BürgerInnen sind weiter aktiv

Die Mitteilungen mit dem drohenden Fällbeginn 25. Januar 2016  für 12 große Bäume in der Dortmunder Straße hängen weiter an Haustüren und Wänden im Westfälischen Viertel. Der zuständige Bezirksstadtrat, Herr Spallek, ist noch länger im Urlaub. Er oder sein Stellvertreter, Bürgermeister Dr. Hanke, muss der BVV – und den BürgerInnen – mitteilen, wie die Bezirksverwaltung nach dem einstimmig beschlossenen Antrag zu verfahren gedenkt. Fällstopp!? Alternativplanung für sichere Gehwege?! Beteiligung der AnwohnerInnen!?

Derweilen beraten die AnwohnerInnen über alternative Lösungen: „Sichere Gehwege – Erhalt der standfesten Bäume!“ ist der Slogan der „Bürgerinitiative Dortmunder Straße“. Zum Treffen am Samstag, 9. Januar,  waren wieder erfreulich viele BaumfreundInnen gekommen. Darunter auch AnwohnerInnen, die am Ortstermin am 12. Dezember 2015 nicht hatten dabei sein können.
Laut BVV-Beschluss Drs. 2458/IV soll die Bezirksverwaltung in einem Workshop mit den betroffenen BürgerInnen Alternativlösungen zu Baumfällungen erarbeiten. Dafür will sich die Bürgerinitiative Dortmunder Straße schon mal  am kommenden Wochenende durch einen Fachplaner beraten lassen.

B. Nake-Mann, 12.1.2016

Bürgerbeteiligungsbericht in der Berliner Woche

Erst seit heute kenne ich den link zu einem Bericht über den Ortstermin in der Dortmunder Straße, am 12.12.2015.

http://www.berliner-woche.de/hansaviertel/politik/buergerbeteiligung-fehlanzeige-bezirk-will-in-der-dortmunder-strasse-zwoelf-baeume-faellen-d91483.html

Vielleicht hatte ich den Bericht nicht gesehen, weil die Berliner Woche die Dortmunder Straße in Moabit ins Hansaviertel „verlegt“ hat. Egal, der Bericht ist interessant.

Beim Treffen morgen, am Sa, 9.1. 2016, 14 Uhr im PROMO, kann die „Bürgerinitiative Dortmunder Straße“  vielleicht berichten, wie das Bezirksamt Mitte den Beschluss der BVV vom 17.12.15,  „Charakter der Dortmunder Straße erhalten!“ umzusetzen gedenkt.

B. Nake-Mann, 8. Januar 2016