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Nach Schultheiss Eröffnung

Am 16. August 2018  wurde die Mall of Moabit, genannt Schultheiss Quartier, des Investors Harald Huth eröffnet (Mall of Berlin am Leipziger Platz und Schloss in Steglitz gehen auch auf ihn zurück). Laut Medien (z.B. rbb)  zur allgemeinen Freude von Politik, Handelsverband und MoabiterInnen.
Die Turmstraße aber wird als Geschäftsstraße durch das Center weiter geschwächt. Auf den Extra-Reklameseiten der „Berliner Woche“, Nr. 33 2018, zur Schultheiss-Eröffnung ist ganz unverblümt von „Umzug ins SQ“ die Rede. In der Turmstraße sieht das Ergebnis zur Zeit so aus:

Hier in der Turmstr. 77 war „Ernsting’s family“, nun im SQ

Zugeklebte Schaufenster auch hier. Das Reformhaus Demski, Turmstr. 70,  hat ebenfalls die Geschäftsstraße verlassen, um im Schultheiss Quartier dabei zu sein

Das „Geschäftsstraßenmanagement“ und die „Projektsteuerer“, die mithelfen sollen, die Turmstraße als Einkaufsstraße wieder attraktiv zu machen, sind zu bedauern. Die Millionen, die zur Aufhübschung der Turmstraße im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Aktive Zentren“ vergeblich ausgegeben wurden, wer holt sie zurück? Kritische Stimmen von BürgerInnen gab es von Anfang an (z.B.) und hier , euphorische Beifallsklatscher aber auch.

B. Nake-Mann, 18. Aug. 2018
P.S.: heute, 19.8.18 gab es eine kritische Glosse im Tagesspiegel
https://www.tagesspiegel.de/berlin/schultheiss-quartier-in-moabit-mehr-shopping-monokultur-fuer-berlin/22922228.html

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Verdichtung in dicht bebauten Gebieten – Opfer sind Mieter und Wohnqualität

Ein Berliner Beispiel: Essener Str. 23/23A in Moabit. Am 1. März 2018 wurde die große, vitale Ulme in der schmalen Baulücke zwischen Essener Str. 23/23A und Essener Str. 22 gefällt. Es war ein „privater Baum“, der unter gesetzlichem „Baumschutz“ stand. Aber ge­gen eine „Bauvorbereitende Maßnah­me“ kann die für Baumschutz Zuständi­ge im Bezirk Mitte nichts machen. Der Eigen­tümer hat faktisch Baurecht; es wird ständig überzogen, so dass die Misere von Gründerzeithinterhöfen wie­derhergestellt wird. Das wird möglich durch die Missachtung des Berli­ner „Baunut­zungsplans“, der wesentlich ge­ringere Baudichten vorsieht. Der gilt in West-Berlin seit 1960 und wurde nach der Wende 1990 vom Senat als fortgeltend für das ehemalige West-Berlin festgelegt. (Siehe unten: Baugenehmiger in der Falle).

Ulme Essener Str. 23/23A im Herbst

Ulme am 1. März 2018 vor der Fällung

 

 

 

 

 

 

 

 


Vernichtung von Mietwohnungen
Hier wurden 23 Altbau-Mietwohnungen in teure Eigentumswoh­nungen umgewandelt und ist der Neubau von 5 Eigentumswohnungen in der schmalen Baulücke (wo die Ulme stand) samt Dachausbau geplant. Zur Klar­stellung: ich habe nichts gegen Eigentumswohnungen, aber viel gegen die Ver­drängung von Mietern und die Verschlechterung von Wohnqualität. (Mehr dazu weiter unten: Mieterverdrängung in der „Mieterstadt Berlin“.

Wohnqualität“ à la Gründerzeithinterhof
Bisher hatten MieterInnen in den Hinterhäusern Essener Str. 23A  und Bochumer Str. 20 aus ihren – alleinigen ! – Nordfenstern noch den „freien“ Blick in die Baulücke, zum grünen Ulmenbaum, zur dicken Efeu-Wand in der Baulücke und zu etwas Himmel. Das alles wird ihnen mit dem geplanten Neubau genommen. Licht und Luft für „Gesunde Lebensbedingungen“, die lt. BauGe­setzBuch bei jedem Bauvorhaben gewahrt bleiben müssen, spielen keine Rolle, weil die Politik es will, das Bauamt also auch und Mieter (z.B. im Nach­barhaus Bochumer Str. 20) keine Widerspruchsrechte haben.

Fassadengrün wird vernichtet
Die Werbefotos von Property Company für die angepriesenen Altbau-Eigentumsw­ohnungen zeigen: kahle weiße Wände, wo jetzt lebendiges Efeu und Wilder Wein ranken.
https://www.propertycompany.de/index.php?option=com_property&view=property&Itemid=265&lang=de
Oft werden Neubauabsichten mit dem Versprechen geplanter Fassaden- und Dachbegrünung verschönt (um Versiegelung und Versteinerung angeblich auszugleichen). Nicht mal sowas soll es hier geben.
B e g r ü n u n g (als Tat nach dem Bau) wird auch von PolitikerInnen gern gefordert/gelobt. Wo bleibt aber deren Einsatz für den E r h a l t von vorhandenem Grün? Mit allen seinen guten, positiven Wirkungen für Men­schen in dicht bebauten Wohngebieten?

Baulücke ohne Ulme, März 2018, noch mit Efeu u Wildem Wein

Hof Essener Str. 23/23A – noch mit dem prächtigen Fassadengrün (Aug. 2018)

      

 

 

 

 

 

 

 

 

Einwohnerzuwachs in grün-unterversorgtem Gebiet ist kontraproduktiv
Politiker und PlanerInnen können wissen, was sie falsch machen, wenn sie Baum- und Grün­vernichtung durch Nachverdichtung befürworten. Denn Berlin hat gute Pla­nungsgrundlagen für eine menschenfreundliche und klimabewusste Stadtentwick­lung, auf Landes-und Bezirksebene!
Auf Landesebene: das Landschaftsprogramm, die naturschutzfachliche Ergänzung zum Flächennutzungsplan. Es ist behördenverbindlich. Eigentlich.
Berlin hat auch das Planungsinstrumentarium „Umweltgerechtigkeit“, das ökologi­sche und so­ziale Kriterien für die Stadtentwicklung verbindet. Und: den Stadtent­wicklungsplan Klima. Selbst im „Stadtentwicklungsplan Wohnen 2025“, der Woh­nungsbau forcie­ren will, steht: „Verdichtung wirkt dort kontraproduktiv, wo sie die Wohn­qualität beein­trächtigt“. (S. 66)

Die Wohnqualität für die schon hier Wohnenden wird durch das Projekt „Essener Str. 23/23A“  massiv beeinträchtigt.

Verwaltungshandeln wider besseres Wissen
Der Bezirk Mitte ist stolz, dass er als erster Bezirk „Bezirksregionenprofile“ für seine 10 Bezirksregionen erarbeiten ließ und beschlossen hat – als Planungsgrundlage für alle seine Fachbereiche, wohlgemerkt.
Die Essener Str. 23/23A liegt in der Bezirksre­gion Moabit West, dort im Planungsraum „Elberfelder Straße“, der das Westfäli­sche Viertel umfasst. Hier besteht eine massive Unterversorgung mit Grünflächen für die wohnungsnahe Erholung. Der Richtwert (ohnehin nicht üppig) besagt: 6 qm Erholungsgrün/pro Einwohner, das mindestens 0,5 ha groß und maximal 500 Meter von jeder Wohnung entfernt ist. Wir ha­ben hier einen „Versorgungsgrad“ von 2,1 qm/Einwohner. Mit jedem zusätzlichen Einwohner, der durch Neubau hierher gelockt wird, sinkt der Versor­gungsgrad weiter.
Als Fazit steht im „Bezirksregionenprofil Moabit-West“ Teil II: „Wohnungsbaupoten­tiale werden entsprechend außerhalb der Bezirksregion gesehen“. Das hat das Be­zirksamt am 16.05.2014 so beschlossen und der Bezirksverordnetenversamm­lung vorgelegt. Weder Bezirk noch Senat scheren sich um behördenverbindli­che Pläne oder eigene Beschlüsse. Was sollen wir BürgerInnen davon halten?

Baugenehmiger in der Falle
Nach Aussage von PlanerInnen in Bezirksverwaltungen fühlen sich die für Bauge­nehmigungen Zuständigen in einer Falle: Jahre- und jahrzehntelang wurden in West- Berlin Befreiungen von den Festlegun­gen des Baunutzungsplans zugelassen (manchmal mit Auflagen wie „Hof- oder Fassadenbe­grünung“). Daraus leiten jetzt Grund­stückseigentümer und z.T. Gerichte her, dass immer ein Anspruch auf Missachtung des Baunutzungsplans durch Befreiungen bestehe, und dann aber kräftig.
Wie kann die Bauverwaltung der „Falle“ entkommen? Indem Politik und Verwaltung klare Re­gelungen für Grünerhalt und Grünversorgung festlegen und diese in Bebauungsplä­nen für alle verdichteten Bestandsgebiete festschreiben. Nach heutigem Recht müssen Bebauungspläne auch mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Bürgerbeteiligung erarbeitet werden – Oje, die arme überlastete Verwaltung – die sich am liebsten B-Pläne von den Investoren machen lässt: „Vorhabensbezogener Bebauungsplan“ heißt diese Rechts­konstruktion. Die BVV darf ihn dann beschließen.

Wohnraum für eine „wachsende Stadt“ schaffen – bei gleichzeitigem Erhalt von Bäumen und grünen Freiflächen – wie kann das gehen?
Berlin hat seit einigen Jahren Einwohnerzuwachs. Bekanntlich finden Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen schwer eine für sie bezahlbare bzw. ausreichend große Wohnung. Wenn Berlin das Wohnraumproblem für alle verträglich lösen wollte, müsste es mit dem Land Brandenburg in ein positives Gespräch über Entlastungsorte an der Schiene eintreten. Dezentrale Arbeitsplätze und Wohnungen sind der Schlüssel für eine gedeihliche Entwicklung Berlins und der Metropolregion. Verzicht auf Finanz-Egoismus des Landes Berlin gehört dazu.
Berlin verlockt mit relativ (!) günstigen Bodenpreisen Investoren von überall dazu, hier Grundstücke – und vorhandene Wohnungen – aufzukaufen. Hier können mit „Betongold“ Gewinne gemacht werden, die in an­deren Metropo­len nicht mehr zu erzielen sind.

Wenn man trotzdem Grün und Bäume in der Stadt erhalten will, muss man sie pla­nerisch si­chern. Vorrangig muss man (d.h. die planende Verwaltung und Politik) in den Ge­bieten mit bestehendem Grünmangel anfangen und dafür sorgen, dass vorhan­dene Grüngebiete (und zwar in öffentlichem wie in privatem Eigentum) gesichert werden. Da Grün-Ausweisung im Flächennutzungsplan oder Bereichsent­wicklungsplan nur für die Behörden verbindlich sind, müssen Bebauungspläne für privates und öffentliches Grün erarbeitet und beschlossen werden. B-Pläne gelten gegen­über jedermann, auch gegenüber Investoren.
So kann man Bäume und Grünflächen erhalten, wenn Politik und Verwaltung wol­len.

Und wo kann in Berlin neu gebaut werden?
Es kann da und so gebaut werden, dass durch Wohnbebauung kein Grünmangel für die vorhandenen bzw. neuen BewohnerInnen entsteht und wo Kleingärten, Grünflächen und Frischluftschneisen nicht beeinträchtigt werden.
Das kann man be- und nachrechnen. Wenn das Ergebnis ist: hier herrscht schon Grünmangel – dann ist hier kein Woh­nungsbau zulässig. Egal, ob durch private Investoren oder durch städtische Woh­nungsbaugesellschaften. Dazu gehört auch, dass die eigenen Fachpläne zu Grün, Klima, Erholung, Natur und Landschaft eingehalten werden.

Planerisch kann auch festgelegt werden, dass vorhandene große Bäume bei Neu­bau erhalten werden müssen. Wenn dadurch eine übermäßige Grundstücksaus­nutzung verhindert wird, wäre das zugleich ein Gewinn an Wohnqualität für die künfti­gen Bewohner.

Für geplante große Neubaugebiete in Berlin hat übrigens das Abgeordnetenhaus im März 2018 beschlossen, dass dort die Mindestausstattung mit „woh­nungsnahem Freiraum“ (Erholungsgrün) von 6 qm/Ew gewährleistet sein soll. Der Senat soll darauf hinwirken! „Wohnungsnah“ heißt: maximal 500 Meter von der Wohnung entfernt, geeignet für die tägli­che Erholung am Abend, am Morgen, fürs Kinder­spiel. AH Drs. 18/0724

Warum aber Menschen in bestehenden Wohngebieten mit bereits zu geringer Grünversor­gung noch schlechter gestellt werden sollen – zugunsten der Investoren – muss man die „Bauen, bauen, bauen!“- Verfechter fragen.
Schon mal von „Grenzen des Wachs­tums“ gehört? „Berlin gießt Betongold in die letzten Lücken – ein Fehler“ war in der Berliner Zeitung vom 17.07.18 online zu lesen. Ich teile die Befürchtung der Auto­rin, dass in wenigen Jahren Politik und Verwaltung jammern werden: „Das war ein Fehler! Die Sommer werden immer heißer, das Stadtklima wird unerträglich in den dichten Innenstadtbezirken.“ – Wer erinnert sich nicht an das nachträgliche Einge­ständnis führender Berliner Politiker, dass es ein Fehler war, Hunderttausende landeseigener Wohnungen zu verkaufen.
https://www.berliner-zeitung.de/politik/meinung/wohnraum-verdichtung-berlingiesst-betongold-in-die-letzten-luecken—ein-fehler-30969734
Die Autorin Judith Kuckart spricht von „einer übereifrigen, wenig sorgfältigen, auch überforderten Baupolitik“.

Ein weiteres Beipiel sozial fragwürdiger Berliner Baupolitik: Schonung privilegierter Lagen
Der Flächennutzungsplan 2015 von Berlin stellt in Zehlendorf, Grunewald, Frohnau und Köpenick Wohnbauflächen dar, die eine maximale Grundstücksausnutzung von 0.4 GFZ (Geschossflächenzahl) zulassen. Das ist zehnmal weniger, als die In­vestoren be­ispielsweise in Moabit durchsetzen und mit Baugenehmigungen abgeseg­net bekommen.
Zum Schutz dieser locker bebauten Gebiete, genannt „Landschaftliche Prägung von Wohnbauflä­chen“ schreibt der FNP auch noch „Nutzungsbeschränkungen zum Schutz der Umwelt“ vor. Hier ist die Umwelt von Privilegierten gemeint.

Lieber reich und grün als arm und grau“ ist ein spöttischer Merksatz dazu. In diesen Berliner Gebieten kann nach „Wohnbaupotenzial-Flächen“ gesucht wer­den. Hier sollten städtische Wohnungsgesellschaften, Genossenschaften und Baugruppen Wohnungen errichten, die Qualitäten und Mieten aufweisen, wie die genossenschaftlichen und wohnreformerischen Pro­jekte der 1920er Jahre. Nicht etwa nach dem Beispiel der „OASIS“-Investoren an der Hansabrücke in Mitte.

Zurück zur gefällten Ulme Essener Str. 23/23A und den Folgen:

Mieterverdrängung in der „Mieterstadt Berlin“
Seit März 2018, seit dem Fällen der großen Ulme, sind dort nach und nach die Mie­terInnen ausgezogen.

Mieter ziehen seit dem Frühjahr 2018 aus

 

 

 

 

 

Eigentumswohnungen werden seit Juli 2018 hier angeboten


Einmal habe ich mit einem der Betroffenen gesprochen:
Sind Sie gekündigt worden?
– Nein, das wäre ja nicht so leicht.
Warum ziehen Sie dann aus?
– Hier soll doch saniert werden.
Hat Ihnen das Ihre Hausverwaltung gesagt?
– Die Hausverwaltung hat eine Agentur beauftragt. Von der Verwaltung haben wir nichts erfahren.“

Ich wollte ihn nicht länger beim Packen des Umzugswagens aufhalten und fragte nicht weiter. Aber ich wüsste gern – und es ist darüber hinaus von allgemeinem Interesse – wer ist diese „Agentur“ und was hat sie mit den Mietern ausgehandelt?

Hat sie nur mit den Unannehmlichkeiten der Bauzeit gedroht?
Hat sie bei der Suche nach einer anderen Wohnung geholfen?
Hat sie sich an den Umzugskosten beteiligt?

Da es Mietshäuser gibt, in denen Mieter sich zusammengeschlossen haben und gegen ihre Verdrängung gemeinsam kämpfen – und damit dem Rechtsgrundsatz „Kauf bricht nicht Miete“ zur Geltung verhelfen – ist es wichtig zu erfahren, ob In­vestoren mittlerweile „geräuschlose“ Methoden der Mieterexmission erfunden ha­ben, mittels „Agenturen“.

B. Nake-Mann
02./03. 08.2018

Terminverwirrung ? 1. Juni 2018, 17 Uhr gilt !

Heute, am 30.Mai 2018, hat das BA Mitte per Presseerklärung zu einer Informationsveranstaltung zum Mahnmal Levetzowstraße am 7. Juni 2018 eingeladen. Prompt bekam ich besorgte Nachfragen, ob die Veranstaltung „BürgerInnen informieren – Denk- und Mahnmal Synagoge Levetzowstraße – Erinnern“ verschoben sei? Nein!

Keine Terminverschiebung! Unser Termin, zu dem BI SilberahornPLUS, Stadtteilkoordination und „Sie waren Nachbarn“ einladen, ist und bleibt der 1. Juni 2018, 17 Uhr im Rathaus Tiergarten. Einladung s. hier.

Die Idee zu unserer Veranstaltung ist mir gekommen, nachdem im Oktober 2017 im Umweltausschuss der BVV Mitte die „Umgestaltungsnotwendigkeit und -planung“ durch den Landschaftsarchitekten Herrn Bappert erneut vorgestellt worden war. Daraufhin  fragte ich beim SGA (Straßen- und Grünflächenamt) an, ob dazu eine Bürgerinformation mit Herrn Bapperts eindrucksvollem Vortrag geplant sei. Nein, aus Personalengpässen und weil es ja nur eine kleine Umgestaltung (des Spielplatzes) sei, könne  das SGA keine Info-Veranstaltung machen. Wenn BürgerInnen aktiv würden, wäre das O.K.

Daraufhin hat die Bürgerinitiative SilberahornPLUS die Kooperation mit der Stadtteilkoordination Moabit, Frau Fenster, und dem Verein „Sie waren Nachbarn“ gesucht, nachdem Herr Bappert bereit war, seinen Vortrag bei unserer „BürgerInnen informieren“-Veranstaltung einzubringen.

Unsere Einladungen zum 1. Juni wurden ab Mitte Mai verteilt und verschickt, auch an das BA Mitte.
Nun hat das BA Mitte überraschend und kurzfristig eine Bürgerinformationsveranstaltung am 7. Juni angesetzt, um selbst seine Umgestaltungspläne vorzustellen.
Frau Bezirksstadträtin Weißler sieht keine „Konkurrenz der Veranstaltungen“, sondern Ergänzungen (im Pressegespräch am 30.5.18, zu dem am 29.5.18 eingeladen wurde).

Die BI SilberahornPLUS freut sich, dass das Bezirksamt nun doch auch selbst die BürgerInnen informieren will – so frühzeitig wie selten. Denn mit realen Maßnahmen ist erst im Jahr 2019 zu rechnen, nach aktueller Bau- und Finanzplanung.

Wir hoffen aber, dass die Terminverwirrung nicht Platz greift.

30. Mai 2018, B.Nake-Mann

 

Denk Mal Levetzowstraße

Die Bürgerinitiative SilberahornPLUS, die Stadtteilkoordination Moabit und der Verein „Sie waren Nachbarn“ laden ein:

Freitag, 1. Juni 2018,
17 – 19 Uhr,
Rathaus Tiergarten, Großer Saal, Mathilde Jacob Platz 1, 10551 Berlin

 

Blick von der Levetzowstraße zum Spielplatz

 

 

 

 

 

Blick zum Denkmal

 

 

 

 

 

 

 

Am 1. Juni werden BürgerInnen informieren:

Der Spielplatz Jagowstraße/Ecke Levetzowstraße soll umgestaltet werden.
Schon wieder?!
Warum?

Das Denk- und Mahnmal Synagoge Levetzowstraße soll vervollständigt werden.
Was fehlt bisher?

Am früheren Standort der Synagoge Levetzowstraße in Berlin-Moabit wird mit einer Gedenktafel aus dem Jahr 1960 und seit 1988 mit einer Gruppe großer Skulpturen an Verfolgung, Deportation und Vernichtung jüdischer BerlinerInnen in der Nazi-Zeit erinnert und an die Zerstörung jüdischer Gotteshäuser.

Ein Spielplatz wurde auf dem Grundstück der Synagoge und der jüdischen Schule angelegt; denn das Grundstück soll nicht wieder bebaut werden.

Seit dem Jahr 2010 aber gibt es ein Problem: bei der Erneuerung des Spielplatzes berücksichtigte das Straßen- und Grünflächenamt des Bezirks Mitte den preisgekrönten Entwurf des Mahnmals nicht. Die neue Kletterwand stört an dieser Stelle und die haushohe Hainbuchenhecke, die die frühere Front der Synagoge nachbilden sollte, ist aufgegeben worden.

Doch das Grünflächenamt will die Fehler berichtigen.
Wir freuen uns, dass der Landschaftsarchitekt Theseus Bappert das Konzept des Mahnmals allen Interessierten am 1. Juni 2018 erläutern wird.

Der Verein „Sie waren Nachbarn“ wird seine Kampagne zur Markierung des Weges von der Sammelstelle Synagoge Levetzowstraße zum Güterbahnhof Moabit vorstellen.

AnwohnerInnen, MoabiterInnen und alle Interessierten sind herzlich eingeladen zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung
über Gegenwartsaufgaben und historische Erinnerung in Moabit und darüber hinaus.

B. Nake-Mann
26./27.  April 2018/ 08. Mai 2018

Jugendverkehrsschule Moabit nach den Osterferien

Am 9. April 2018 hat  nach den Osterferien die Schule wieder begonnen. Ob auch die Jugendverkehrsschule Moabit in der Bremer Straße wieder geöffnet hat?

Als ich gegen Mittag dort hinging, sah ich  gleich: die Ampeln sind in Betrieb! Ja, auch Kinder waren auf den Fahrbahnen unterwegs!

Der Frühling ist endlich gekommen – und die Jugendverkehrsschule ist geöffnet

Ich unterhielt mich mit dem Personal des Betreibers Wende.Punkt und mit einer der Lehrerinnen, die die Gruppe aus einer Moabiter Schule begleiteten. Alle waren  froh: Endlich verhindert kein Frostwetter mehr die Öffnung der Jugendverkehrsschule!
Die Kinder freuten sich über die neuen Fahrräder und Helme und die Möglichkeit, ohne Angst vor Autos Fahrrad zu fahren.
Gegen 13 Uhr kam dann eine neue Schulklasse an. Sie war aus Berlin-Mitte angereist. Lehrerin und Betreuerinnen sind erleichtert, dass sie hier mit den Kindern regelgerechtes Fahrradfahren üben können, denn die JVS in Berlin-Mitte ist (vorübergehend) geschlossen.

Der Unterrichtsraum  in der JVS Moabit wurde voriges Jahr freundlich gestrichen und mit neuem Mobiliar ausgestattet.

In den nächsten Tagen sollen auch die Flyer fertig sein, die Schulen, KITAs, Eltern und AnwohnerInnen informieren, dass und wann die Jugendverkehrschule Moabit in der Bremer Straße geöffnet ist und welche besonderen Angebote sie am Nachmittag, nach der Schulzeit, für Kinder bietet.

B. Nake-Mann, 10. April 2018

ThusneldaAllee am Ostersamstag 2018

Am 31. März war die ThusneldaAllee in Moabit frei vom Autoverkehr und auch kein Bus fuhr über die kurze Strecke. So einen Platz – für Begegnung, Markt, Verweilen ohne Konsumzwang – hatte schon 2011 die damalige Bürgerinitiative Silberahorn vorgeschlagen und dafür Unterschriften in Moabit gesammelt. Mehr als 1000 Unterschriften übergab sie dann in einer Veranstaltung zur Verkehrsplanung im „Aktiven Zentrum Turmstraße“ an BVG-Vertreter.

Die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) haben sich aber bislang einer Alternativführung der Busse TXL und 187 widersetzt. Doch für die Kundgebung des Berliner Ostermarsches sperrte die Polizei am 31. März 2018 den Zugang für Busse und Kfz.

ThusneldaAllee Richtung Turmstraße

Am Samstagmittag war der Berliner Ostermarsch durch Moabit unterwegs gewesen, bei der Schlusskundgebung auf der ThusneldaAllee sprach Eugen Drewermann.

Eugen Drewermann vor der Heilandskirche

Gleich zu Beginn zitierte er das „Kriegslied“ von Matthias Claudius (1740 – 1815) und stellte uns Heutigen seine Fragen:

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blass
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend, tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammleten und mir zur Ehre krähten
Von einer Leich‘ herab?

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!


Die Rede von Eugen Drewermann kann man nachhören.

B. Nake-Mann, 5. April 2018

 

 

 

Finstere Zeiten

Die Dänische Botschaft in Berlin hatte am Wochenende 3./4. März 2018 das Baggaard Teatret (= Das Hinterhoftheater) eingeladen, das aus Bertolt Brechts „Svendborger Gedichten“ ein furioses Schauspiel entwickelt hat und nun auch in Berlin zeigte.

Auch aus Brechts Gedicht „An die Nachgeborenen“ wurde zitiert:

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
……
Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
……….“

Wir (Bürgerintiative SilberahornPLUS) schweigen nicht zu den Untaten in Syrien, zu den Abschiebungen nach Afghanistan oder zu den Diskriminierungen von Obdachlosen, deren Wohnzimmer der Kleine Tiergarten ist. Zugleich sprechen wir über Bäume – Bäume in Berlin, die zugunsten von Investoren gefällt werden, ohne Rücksicht auf die Wohnbedürfnisse von AnwohnerInnen. MieterInnen nehmen die Nachteile von Wohnungen in eng bebauten Gründerzeitvierteln hin, weil Hof- oder Straßenbäume sie die Natur und den Wechsel der Jahreszeiten erleben lassen – im steinernen Berlin.

 

Ulme zwischen Essener Str. 22 und Essener Str. 23 im November

Ulme zwischen Essener Str. 23 uns 22, am 1. März 2018 morgens (Anklicken vergrößert)

Den „Machern“ in Berlin sind offenbar solche menschlichen Gefühle und Bedürfnisse nach Naturkontakt und Schönheit egal. Die Baumschutzverordnung wird durch die Berliner Bauordnung außer Kraft gesetzt: Wenn ein Grundstücksbesitzer bauen will, werden auch große alte Bäume gefällt.

Aktuelles Beispiel: Essener Str. 23

Rest der Ulme am 2.März 2018

Den schweren Stürmen des Herbstes 2017 hatte die hohe Ulme geschmeidig widerstanden – die Stihl-Säge hat sie in eineinhalb Tagen vernichtet.

Was ist das für ein Rechtsstaat, der es erlaubt, dass Gesetze und behördenverbindliche Pläne sich selbst aufheben und ihre sozialen Ziele und Umweltgrundsätze verraten? Beispiele: BauGesetzBuch des Bundes, Flächennutzungsplan und Landschaftsprogramm von Berlin. Die Berliner Bauordnung von 2006 verzichtet auf Bürgerbeteiligung, Gesundheits-, Umwelt- und Naturanliegen: „Schlanker Staat“, „schlanke Verwaltung“, „nachhaltige Deregulierung“ sind das neoliberale Credo des Senats in der Berliner Bauordnung.

Viele Wohnungen in den Hinterhäusern von Essener Str. 22 und 23 haben nur Fenster nach Norden. Dank der Baulücke mit riesiger Ulme und dicker Wandbegrünung mit Efeu und Wildem Wein hatten die BewohnerInnen dennoch einen schönen Ausblick. Der wird nun durch die Baulückenbebauung verbaut, auch die jahrzehntealte Wandbegrünung zerstört, die Hinterhofmisere der Gründerzeit neoliberal wiederhergestellt. Wer kann, zieht weg, zur Freude des Hauseigentümers, der von Neumietern höhere Mieten kassieren kann. Auch eine Wohnung ohne Sonne und Aussicht wird er heutzutage sicher los.
Nicht nur Bäume und Grün, auch der gewachsene soziale Zusammenhalt im Kiez wird durch „Bauen, bauen, bauen!“ zerstört.

Den Bewohner der Hinterhäuser wurde der Blick auf die große Ulme genommen … (Anklicken vergrößert)

Die freigefällte Baulücke soll bebaut werden – auch wenn so der Hinterhof der Gründerzeit wieder hergestellt wird. (Aklicken vergrößert).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
……
Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
……….“

 

5. März 2018,   Brigitte Nake-Mann