Machtverhältnis

Angesichts der Unbeirrbarkeit und Informationsresistenz,  mit der Verwaltung und die meisten KommunalpolitikerInnen die Schließung und Bebauung der Jugendverkehrsschule Moabit vorantreiben, fiel mir ein Gedicht des Schweizer Pfarrers, Publizisten und Dichters  KURT MARTI ein. Ich erinnerte mich im Schulausschuss am 11. Juni daran. Da hatte die Schulstadträtin Smentek den Lehrer Uwe Felsch gefragt: „Wie erklären Sie sich, dass so wenige Schulen geantwortet haben?“  Und Herr Felsch antworte: „Die Schulen haben ihre Chance zu Einmischung und Protest vertan.“

Das Gedicht :

machtverhältnis

die ohne macht
machen
die mächtigen

was
machten
die mächtigen
machten
die ohne macht
nicht
was die mächtigen
machen?

mächtiger sind
als die mächtigen
die ohne macht

Es gibt auch eine zweite Version:

was
machten
mächtige
machten
die ohne macht
nicht mehr mit
was die mächtigen
machen?

mächtiger
als die mächtigen
wären
ach wären
die ohne macht

Ja, zu wenige der LehrerInnen und Eltern der 38 Grundschulen in B-Mitte haben deutlich Nein! zu den Vorhaben der Verwaltung gesagt. Sie haben sich von ihrer Erfahrung  „Wir können ja doch nichts machen“ zur Ohnmacht verführen lassen. Sie haben mit ihrer Resignation das Machtbewusstsein der Verwaltung gestärkt. Sie sind auch von der Verwaltung in ihrer Ohnmacht bestärkt worden:  sie sind entmutigt worden. Manche haben sich einschüchtern lassen. Manche nicht. Doch die sind zu wenige.

Morgen, 18.6.2015, steht  in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte  „Aufgabe des Standortes der Jugendverkehrsschule Bremer Str. 10…“ auf der Tagesordnung.

Fundstellen: Kurt Marti, Schon wieder heute, Ausgewählte Gedichte 1959-1980, Sammlg Luchterhand 1982; HEIL VETIA, Poetischer Diskurs, Lenos 1981

B. Nake-Mann
17. Juni 2015

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