Kleiner Tiergarten – Abschied mit Suppe

Einige Unverdrossene der „Bürgerparkgruppe Moabit“ hatten im Dezember geplant, am Sonntag, 18. Jan. 2015  eine Kichererbsensuppe  beim Regenschutzdach im östlichen Kleinen Tiergarten zu essen und mit den Obdachlosen dort zu teilen. Vielen Dank an Frau Karaca für ihre Idee und die schmackhafte Suppe! Damit wollte die Gruppe vom letzten Teil des Kleinen Tiergartens Abschied nehmen, denn ab Februar würden ja Baumfällungen, Rodungen und Umbau im letzten, dem 7. Bauabschnitt beginnen. Und sie erinnerte sich an eine hoffnungsvolle Suppenaktion im November 2012 beim Regenschutzdach.

Zur Information neuer LeserInnen: die Bürgerparkgruppe Moabit hatte dem Bezirk Mitte das Angebot gemacht, die Blumenbeete (11 Pflegebereiche) im Kleinen Tiergarten-Ost zu pflegen, falls bei den Umgestaltungen das Gartendenkmal Kleiner Tiergarten respektiert  werden würde. Zum Beweis von Ernsthaftigkeit und Arbeitsbereitschaft hat die Bürgerparkgruppe vom Herbst 2012 bis Herbst 2013 mehr als 550 Arbeitsstunden im östlichen Kleinen Tiergarten geleistet und einen Entwurf für eine Pflegevereinbarung vorgelegt. Diese tätige Bürgerbeteiligung wurde aber von der Verwaltung nicht akzeptiert, wie auch der endgültige Planungsstand zeigte. Die Bürgerparkgruppe stellte ihre Arbeit ein und nahm ihr Parkpflegeangebot im November 2013 zurück. S. hier.

Am 13.1.15 überraschte uns eine Pressemitteilung von Baustadtrat Spallek, dass bereits am 14. 1.15 der Bauzaun um den 7. Bauabschnitt gezogen werden würde und Baumfällungen und Rodungen begännen.

Wenn wir ausgesperrt werden und uns nicht beim Regenschutzdach treffen können, dann machen wir ein Protest-Essen am Zaun!

 

Zwischen den Bauzäunen

Zwischen den Bauzäunen

Das fand heute Nachmittag zwischen den Absperrgittern des 6. und des 7. Bauabschnitts statt. Der Topf mit Frau Karacas Kichererbsensuppe stand in einer improvisierten Wärmekiste.

08_Suppe Kiste

Protestplakate machten Passanten aufmerksam.

 

Protestplakat gegen Planungen im 7. Bauabschnitt Kleiner Tiergarten

Protestplakat gegen Planungen im 7. Bauabschnitt Kleiner Tiergarten

 

 

 

 

 

 

Gegen Verdrängung der Obdachlosen aus der Regenschutzhalle

Gegen Verdrängung der Obdachlosen aus der Regenschutzhalle

 

 

 

 

 

 

 

Heiße Suppe am Bauzaun

Heiße Suppe am Bauzaun

 

 

 

 

 

 

Adieu Kleiner Tiergarten

Adieu Kleiner Tiergarten

 

Bäume retten im Kleinen Tiergarten  - wir haben es versucht

Bäume retten im Kleinen Tiergarten – wir haben es versucht

„Kann man noch was machen?“ „Kann ich unterschreiben?“ wurden wir gefragt. Nein, war die Antwort. Jetzt ist es zu spät. Wir haben uns seit 2010 für eine behutsame Umgestaltung  des Kleinen Tiergartens eingesetzt und gegen die vielen Baumfällungen. Ein paar Bäume konnten wir „retten“. Dafür haben die Planer aber benachbarte, schöne Bäume auf die Fällliste gesetzt. Und gegen die Beton-Haufen im Gartendenkmal waren wir erfolglos. Im 7. Bauabschnitt wird nun das Gartendenkmal Kleiner Tiergarten in unbegreiflicher Weise weiter verhunzt: aus den „Gartenhöfen“ wird Verkehrsfläche, die größte und die kleinste Banknische wurden einfach weggeplant, das Regenschutzdach wird zur durchlässigen Pergola.

Regenschutzhalle, Parkseite am 14. Jan. 2015

Regenschutzhalle, Parkseite am 14. Jan. 2015

Leider folgte keiner der Obdachlosen vom Regenschutzdach unserer Einladung zum Suppeessen. Wo sind sie nach der Zaunerrichtung am 14.1.15 wohl geblieben? Und was wird aus ihrer armseligen Habe unterm Regendach?

Regenschutzhalle, Turmstraßenseite

Regenschutzhalle, Turmstraßenseite

In der Pressemitteilung am 13.1.15 sprachen Baustadtrat Spallek und seine Verwaltung wieder vom „Park für Alle“, dieses Ziel sei durch den umgestalteten Kleinen Tiergarten erreicht worden.  Das wird durch Wiederholung nicht wahrer: Seit der Info-Veranstaltung im September 2012 ist der Ratschlag des Landschaftsplaners  Gruber vom Büro Latz + Partner öffentlich: „Wenn Sie Ruhe suchen und Grün, dann ziehen Sie aufs Dorf!“ –  sagte er zu einer betagten Moabiterin, die den schützenden Sträuchersaum entlang der Straßen erhalten haben wollte.
Und alle die (nicht wenigen) AnwohnerInnen, die sich über Nachtigallen-Gesang im Ottopark und im Kleinen Tiergarten gefreut haben und ihn als grüne Naturoase geliebt haben, für die ist der pflegeleicht umgestaltete Beton- , Asphalt- und Tenne-Park ohne Singvogelgebüsch kein Park für sie.
Und alle die MoabiterInnen, die die Qualitäten des Gartendenkmals Kleiner Tiergarten durch Führungen und Begehungen kennen- und schätzen gelernt haben, für die ist der Kleine Tiergarten-West und der Bauabschnitt 7 eine unfassbare Barbarei, kein Park.
Von unserem Steuergeld bezahlt, das der Bezirk leider über das Programm „Aktive Zentren“ erhalten hat.

18. Jan. 2015,   B. Nake-Mann

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