Bezirk Mitte von Berlin lässt wohnungsnahes öffentliches Grün fallen

Zunächst weigerte sich die Verwaltung von Mitte, die „Wohnbaupotential-Studie“ überhaupt zu veröffentlichen, nachdem diese dem Ausschuss für Stadtentwicklung Ende September 2014 vorgestellt worden war. Mittlerweile kann man sie im Internet suchen und finden .

Unser Korrespondierendes Mitglied KERN. hat sie gelesen: Die angewandte Methode und die Auswahl von zu prüfenden Kriterien findet er mehr als verwunderlich.  Aber: Das Untersuchungskonzept sei mit dem Bezirk abgestimmt worden, so das beauftragte Büro JMP (Jahn, Mack und Partner).

Zu weggelassenen Kriterien und Schein-Kriterien und den Folgen für Moabit fasst KERN.
im Fazit zusammen :

Die Wohnungsbaupotentialstudie des Bezirks Mitte verzichtet bei der Prüfung der sozialen und grünen Infrastruktur auf die erforderliche Prüfung des Richtwertes für wohnungsnahes öffentlichews Grün. Gerade dieses hat im dicht bebauten Moabit eine hohe soziale Ausgleichfunktion für städtebauliche Nachteile. Anders als in grüneren Stadtteilen ist vor allem im westlichen Moabit kaum privates Grün auf Grundstücken zum physischen und psychischen Ausgleich vorhanden. Dadurch trägt die Nichtanwendung des Berliner Richtwertes für wohnnahe Grünanlagen in verschärftem Maße zur stadtweiten Ungerechtigkeit bei Verteilung und Zugang zum öffentlichen Gut Stadtgrün bei.

Die Wohnbaulandsuche des Bezirks Mitte setzt sich in diesem elementaren Punkt in Gegensatz zum neuen Stadtentwicklungsplan Wohnen 2025 des Landes Berlin von 2014. Er bezeichnet Verdichtung als kontraproduktiv, wo sie die Wohnqualität beeinträchtigt. Da er zudem verlangt, wohnnahe Freiflächen zu qualifizieren, ist das Ausblenden eben dieser Grünflächenversorgung aus der Wohnbaupotentialstudie Mitte mit dem StEP Wohnen 2025 unvereinbar.

Die Verwendung von im Bezirk nicht relevanten (Schein-)Kriterien des Naturschutzrechts verzerrt die Eignungsbewertung von Grundstücken für Wohnungsbau. Vor dem Hintergrund der Leitlinien des StEP Wohnen 2025 erscheint fragwürdig, ob die Aufrechnung ganz unterschiedlicher Sachverhalte, die je für sich städtebauliches Gewicht haben (Lärm, gedeckte Sportanlage, Naturdenkmal usw.), zielführend bei der Suche geeigneter Wohnbaustandorte sein kann (methodisch: Äpfel + Birnen -Problem).

Im Ergebnis bezeichnet die Studie viele Wohnbaustandorte sogar im dicht bebauten Moabit als „gut geeignet“, obwohl im Falle ihrer Bebauung rares privates und öffentliches Grün und bioklimatisch bedeutender Baumbestand vernichtet und die Chance erschwert wird, gesunde Wohnbedingungen, sozialräumlichen Ausgleich und den städtebaulichen Mindeststandard der Versorgung mit wohnungsnahen öffentlichen Grünflächen zu erreichen.
Solche Fehl-Entwicklungen sollen nach Maßgabe des StEP Wohnen 2025 gerade vermieden werden. – Gefragt ist hier eine Politik des sozialen, kinder-, alten- und menschfreundlichen Städtebaues im umfassenden Sinn, die aus dem steinernen Berlin eine wohnlichere Stadt macht.
KERN. 6.12.2014

Die Herleitung und Beispiele seiner kritischen Einschätzung „Bezirk lässt wohnungsnahes öffentliches Grün fallen“ lesen Sie hier .

 

 

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