Turmstraße Mitte: Grün oder Grau ?

Beim ihrem Juni- Treffen war die Bürgerinitiative SilberahornPLUS ziemlich aufgebracht: Wenn es nach den Planern ZECH-CON und dem Bezirksamt von Berlin-Mitte geht, dann wird im Zuge des Umbaus der Turmstraße der jetzt überwiegend begrünte Mittelstreifen zu einem grauen, gepflasterten Stolperstufenstreifen.

Stolperstufenstreifen, weil der bestehende Mittelstreifen nach 50 cm um eine weitere Stufe von 12 Zentimetern erhöht werden soll. S. Planung: Querschnitt Turmstraße.
Mit Kleinpflaster im Mörtelbett befestigt und deshalb grau statt der grünen Ziersträucher, Gräser und Wildkräuter, die jetzt die Turmstraße begrünen und beleben.

Zukunft des jetzt überwiegend grünen Mittelstreifens der Turmstraße:  graues Kleinpflaster - rechts und links muss man sich nach 50 cm die Stufe zu der 12 cm höheren Aufpflasterung vorstellen

Zukunft des jetzt überwiegend grünen Mittelstreifens der Turmstraße: graues Kleinpflaster – rechts und links muss man sich nach 50 cm die Stufe zu der 12 cm höheren Aufpflasterung vorstellen

Der aktuelle Bauabschnitt von Beussel- bis Ottostraße ist ca. 490 Meter lang, der Mittelstreifen ist zwischen drei und zwei Metern breit. Die Baumscheiben abgezogen, beträgt heute die begrünte Fläche ca. 840 Quadratmeter.

Von Stadtgärtnern gepflanzt oder vom Wind hierher geweht -  es grünt und blüht auf dem Mittelstreifen der Turmstraße

Von Stadtgärtnern gepflanzt oder vom Wind hierher geweht – es grünt und blüht auf dem Mittelstreifen der Turmstraße    (Anklicken vergrößert die Fotos)

„Aufwertung der Seitenbereiche“ heißt die Maßnahme, die aus Mitteln des Aktiven Zentrums Turmstraße finanziert wird. Mit dem Ziel der Aufwertung der Seitenbereiche wird der Umbau und die Oberflächen“verschönerung“ der Gehwege und die Anlage der Fahrradschutzstreifen anstelle der jeweils rechten Autofahrspur begründet.  Dass auch die De-Naturierung, der Umbau und die Versiegelung des Mittelstreifens der Turmstraße unter „Aufwertung der Seitenbereiche“ zu verstehen sind, erstaunt die BI SilberahornPLUS nun doch.

Rosa blühende Ziersträucher und gelb und weiß blühende Wildkräuter ergänzen sich auf dem hier ca 3 Meter breiten Mittelstreifen der Turmstraße

Rosa blühende Ziersträucher und gelb und weiß blühende Wildkräuter ergänzen sich auf dem hier ca 3 Meter breiten Mittelstreifen der Turmstraße

Wir sind froh, dass die Stadtteilvertretung des AZ Turmstraße in ihrer Mai-Sitzung einen Beschluss und Appell an die Verwaltung verabschiedet hat, der für den Erhalt des grünen Mittelstreifens eintritt. Erhalt statt Umbau würde Geldverschwendung und massive Versiegelung verhindern: geplant sind 50 Zentimeter Gesamtdicke aus Kleinpflaster über Zementmörtel über Betonschicht über Schotterschicht.

Es wird jetzt ein interessanter Prüffall, ob die Verwaltung die Stadtteilvertretung, ihr eigenes Gremium der Bürgerbeteiligung, ernst nimmt. – Übrigens enthielt das Planungsergebnis, als es am 24.2.14 öffentlich vorgestellt wurde, noch den grünen Mittelstreifen!

Auch die Stadtteilvertretung fordert den Erhalt des  g r ü n e n  Mittelstreifens der Turmstraße

Auch die Stadtteilvertretung fordert den Erhalt des g r ü n e n Mittelstreifens der Turmstraße

Pflegenotstand !?

Das Grünflächenamt hat veranlasst, dass aus dem Grünstreifen ein Graustreifen werden soll. Auf Nachfrage dort erfuhr ich von Herrn Götte: Wenn die Umgestaltung der Turmstraße kommt, mit einem Radschutzstreifen und nur einer Auto-Fahrbahn je Richtung, dann könne der Mittelstreifen nicht mehr vorschriftsgemäß (d.h. vor allem verkehrssicher) gepflegt werden.

Nach meiner Einschätzung ließen sich die paar Pflegeeinsätze pro Jahr neben den überbreiten Kfz-Spuren verkehrssicher organisieren. Das müsste das Grünflächenamt aber wollen. Es hält den grünen Mittelstreifen auf der Turmstraße für nicht so wichtig, angesichts von Personal- und Geldmangel.
Wenn es wirklich unabweisbar wäre, das Grün auf dem Mittelstreifen aus Kosten- und Pflegegründen zu opfern, dann müsste sich das Grünflächenamt wenigstens dafür einsetzen, dass der Mittelstreifen zwischen den vorhandenen Bordsteinen mit Kies aufgefüllt wird, wie bisher schon die Baumscheiben, so dass Regen versickern kann. Das würde die widersinnige Versiegelung und die Baukosten für den Stolperstufenstreifen vermeiden – und würde den Bäumen auf dem Mittelstreifen besser bekommen als Pflaster und Beton in ihrer Nachbarschaft.

So kahl und grau soll nach den Umbauplänen der Mittelstreifen der Turmstraße überall aussehen

So kahl und grau soll nach den Umbauplänen der Mittelstreifen der Turmstraße überall aussehen

Interessenkonflikt !

Es gibt BürgerInnen, die auch das kleine Stadtgrün schätzen und seine Bedeutung besonders für das „Stadtklima“ im sozialen Sinn sehen: wie sollen Kinder und Jugendliche Pflanzen kennen und wertschätzen lernen, wenn sie mehr und mehr mit Beton und Stein umgeben werden (auch auf ihren Spielplätzen) – gerade in dicht bebauten Quartieren wie Moabit.

Steinklee, Rauke und Mäusegerste fallen gleich ins Auge

Steinklee, Rauke und Mäusegerste fallen gleich ins Auge

Bewusst und unbewusst nehmen Menschen die belebende Anwesenheit von Pflanzen in der Stadt wahr.

Aber nein, es gibt doch den Zaster fürs Pflaster aus dem Förderprogramm „Aktive Zentren Turmstraße“.

B. Nake-Mann, 18. Juni 2014

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