Schöne Bescherung

Kleiner Tiergarten-West offiziell fertig

Anders als der umgestaltete Ottopark wurde der umgestaltete Kleine Tiergarten-West (zwischen Heilandskirche und Stromstaße) ohne feierliche Übergabe an die Moabiter Bevölkerung „eröffnet“. Nur die neue Raseneinsaat auf den ehemaligen Rasenflächen und den früheren Blumenbeeten ist noch durch Bauzäune geschützt.

Bei einem vorweihnachtlichen Rundgang um den „Park“ betrachtete und fotografierte ich die Bescherung. Da erinnerte ich mich an Aussagen im Erläuterungsbericht von Latz + Partner, der ihrem Wettbewerbsentwurf beigegeben war. Den hat die siebenköpfige Jury im Juli 2010 mit dem Ersten Preis ausgezeichnet.

Zitat Erläuterungsbericht Seite 1:
„Der Park wird größer und ideell bis an die den gesamten Stadtraum begrenzenden Häuserfassaden erweitert“.

Wenn man aber vor der Häuserfassade von Alt Moabit steht und in den ideell vergrößerten Park gehen möchte, dann erblickt man zwar deutlich die Häuserfassaden der Turmstraße (die andere Grenze des Parks)

Um die Straße Alt Moabit "ideell erweiterter" Kleiner Tiergarten

Um die Straße Alt Moabit „ideell erweiterter“ Kleiner Tiergarten

– aber vorbeifahrende und parkende Autos auf der verkehrsreichen Hauptstraße machen schnell die reale Situation klar und führen die Planersprache ad absurdum. Aber Latz + Partner haben den ersten Preis bekommen.

Auch die Turmstraße "erweitert ideell" den Kleinen Tiergarten - bis zu ihren Häuserfassaden

Auch die Turmstraße „erweitert ideell“ den Kleinen Tiergarten – bis zu ihren Häuserfassaden

Zitat Erläuterungsbericht Seite 2:
„Die Perspektive auf die Heilandskirche soll besonders herausgearbeitet werden“.

Glücklicherweise haben Bürgerproteste verhindert, dass die große Eiche, die die unschöne Ostfassade der Kirche verdeckt, wie von Latz + Partner geplant gefällt wurde. Wenn man will, kann man sich die Sicht auf die Heilandskirche mit den identitätsstiftenden Latz-Haufen anreichern.

Blick auf die Heilandskirche über die Latz-Haufen hinweg

Blick auf die Heilandskirche über die Latz-Haufen hinweg

Zitat Erläuterungsbericht Seite 1 f:
„Wassergebundene Wegedecken und für die 50er Jahre typische Gehölzarten ordnen den neuen Nutzraum klar dem historischen Park zu und überführen ihn gleichzeitig in das 21. Jahrhundert“.

Mit dem „neuen Nutzraum“ ist offenbar die wassergebundene Wegedecke entlang der Straßen gemeint, wo vorher bodenbedeckende Pflanzen und Sträucher wuchsen.Nun ist Kommen und Gehen in alle Richtungen möglich. Aus Vegetationsfläche wurde Verkehrsfläche.

Wassergebundene Wegedecke und Beton, wo vorher bodendeckendes Efeu und anderes Grün wuchsen

Wassergebundene Wegedecke und Beton, wo vorher bodendeckendes Efeu und anderes Grün wuchsen

Aber wie sie sich selbst dem historischen Park zuordnet und ihn in das 21. Jahrhundert überführt, das weiß nur die preiswürdige Planersprache. Die sehr seltene, aber für die Planungen von Willy Alverdes typische Strauchart Fontanesie wollten Latz + Partner übrigens roden lassen wie fast alle anderen Sträucher im Randbereich des Kleinen Tiergartens. Nur Bürgeraufmerksamkeit und Einspruch des Gartendenkmalschutzes haben das verhindert.

Die gerettete Fontanesie trägt noch die rote Fällmarkierung

Die gerettete Fontanesie trägt noch die rote Fällmarkierung

Noch heute kann man am Fuß des größten Fontanesienstrauchs im Kleinen Tiergarten-West die rote Fällmarkierung sehen.

„Feierlaune kommt nicht so richtig auf“ ist  übrigens der Bericht von flip in der print-Ausgabe der Berliner Woche vom 18.12.13 überschrieben.

25. Dez. 2013 B. Nake-Mann

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