Leserbrief an die Berliner Zeitung

Betr. Berliner Zeitung v. 7.8.13, S. 19
Wasserspiele mit neun Fontänen„.

Sehr geehrte Redaktion,
leider ist der „Bericht“ von Uwe Aulich ein trauriges Beispiel von einseitiger Berichterstattung aus Sicht der Interessenten (Mitte Verwaltung u Latz + Partner), der Argumente und konstruktive Vorschläge von engagierten BürgerInitiativen zur Umgestaltung Kleiner Tiergarten überhaupt nicht benennt. Vor Monaten schon habe ich Herrn Aulich per Mail beispielsweise auf die http://www.BuergerparkgruppeMoabit.wordpress.com aufmerksam gemacht – vergeblich.
Ist „Verlautbarungsjournalismus“ die Linie der Berliner Zeitung?
-Aufgrund einseitiger Recherche (oder mit purer Absicht?) enthält der Bericht aber auch Mängel und Anlässe zu Fehldeutungen durch Ihre LeserInnen. Nur aufmerksame AnwohnerInnen sind besser informiert und über den Aulich-Artikel entsetzt. Beispielsweise: Nicht von Latz + Partners Gnaden wird es wieder ein Wasserspiel geben – sondern weil BürgerInnen und Gartendenkmalschutz sich für die Wiederbelebung von Wasserbecken und Springbrunnen vehement eingesetzt haben. Nicht in ein ehemaliges Wasserbecken installieren Latz + Partner jetzt neun Fontänen. Wenn Herr Aulich mal selbst in den Senkgarten gegangen wäre, könnte er noch heute die neun Fontänenanlagen im erhaltenen, leider schon lange trocken gelegten „Sprudelbecken“ sehen. Senkgarten, Gartenhöfe (von Herrn Aulich überhaupt nicht erwähnt; zu denen hat ihm Herr Stegmeier wahrscheinlich nichts erzählt, weil Latz + Partner diese Teile des Gartendenkmals zur Verkehrsfläche machen wollen), Rollerbahn und Banknischen sind Kleinode der Parkgestaltung der 1950/60er Jahre. Der Kleine Tiergarten steht seit 2010 unter Denkmalschutz. Und die Rollerbahn wird von Eltern mit Kindern oder KITA-Gruppe heute noch gern benutzt – „man erkennt sie kaum noch“ schreibt Herr Aulich – ja, wenn man sich nur von Latz + Partner informieren lässt ….

Ist es auch seinem leider beschränkten Wahrnehmungsvermögen zuzuschreiben, dass er unter Protest der Bürger lediglich den Protest gegen ungerechtfertigte Baumfällungen erwähnt? Nicht aber den Protest gegen die Verhunzung des Gartendenkmals, gegen die Verschleuderung von Steuermillion, gegen die massive Reduzierung von Grün (im Ottopark ein Drittel; im Kleinen Tiergarten ähnlich, bloß schönen Latz + Partner noch die Statistik), gegen die Öffnung des schmalen Parks zum massiven Straßenverkehr (Lärm, Staub, Anblick). Der Protest gegen die Latz-Haufen (Moabiter Volksmund zu den identitätsstiftenden „Sitzkieseln“) ist durch die hohen Kosten und die Beeinträchtigung des Gartendenkmals begründet, nicht durch ihre „Sinnlosigkeit“.
Einzig diesem Zitat von Herrn Stegmeier kann ich zustimmen: „Die Probleme der Gesellschaft kann man aber nicht mit einer Parkgestaltung lösen“. Sehr wahr.
Aber die teuren Umgestaltungen werden zum großen Teil mit der Illusion begründet, problematisch gesehene Gruppen würden dann den Park meiden.

Wie sorgt die Redaktion der Berliner Zeitung dafür, dass künftige Artikel sachlich zutreffender und journalistisch fair über Kontroversen berichten?
Mehr Infos zu Bürgeraktivitäten zum Kleinen Tiergarten auch unter: http://www.silberahorn@wordpress.com

8.8.13 B. Nake-Mann

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