Archiv für den Monat August 2013

Preisfrage

Preisfrage: Womit kann die Bürgerparkgruppe Moabit die Verwaltung überzeugen …
dass die Bürgerparkgruppe Moabit es ernst meint und zuverlässig im Kleinen Tiergarten-Ost die Blumenbeete pflegen kann?

Die Blumenbeete? Wo gibt es im Kleinen Tiergarten Blumenbeete?
Zur Zeit wachsen auf den ehemaligen Blumenbeeten überwiegend Sträucher und Eiben und Wacholder. Die sind oft so hoch und dicht geworden, dass man die Bänke dahinter kaum sehen kann. Aber die Beetumrandungen aus Ziegel oder Platten zeigen noch an, wo Blumenbeete vorgesehen sind:
Als in den 1950er/60er Jahren nach den Kriegszerstörungen der Kleine Tiergarten durch Willy Alverdes neu gestaltet wurde, sollten sich die MoabiterInnen beim Spazierengehen oder Ausruhen über blühende Beete im Kleinen Tiergarten freuen können.

Weil aber der Bezirk Mitte zu wenige Pflegekräfte für die Parks hat, gibt es schon lange keine wechselnden Blumenpflanzungen mehr und nur noch wenige ausdauernde Blütenstauden im Kleinen Tiergarten.

Den Kleinen Tiergarten pflegeleicht zu machen, war ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Auslobung des Wettbewerbs zur Umgestaltung im Jahr 2010. – Leider wurde vorher keine Bestandsaufnahme der Qualitäten und Besonderheiten des Kleinen Tiergartens gemacht. Nur die – pflegebedingten – Schwachstellen wurden hervorgehoben. Die Wettbewerbsgewinner Latz + Partner sahen Rasen oder vegetationslosen Boden in den Blumenbeeten vor oder planten sie überhaupt weg.

Das Anschauungsbeispiel Ottopark, im August 2012 fertiggestellt, ließ bei AnwohnerInnen die Alarmglocken schrillen: rettet das Gartendenkmal Kleiner Tiergarten-Ost!

Es fanden sich engagierte MoabiterInnen zur „BürgerparkgruppeMoabit“ zusammen. Im Oktober 2012 übergaben sie der Grün-Verwaltung von Mitte und dem Gartendenkmalpfleger des Senats ein Angebot und Konzept: „Elf Pflegebereiche im Gartendenkmal Kleiner Tiergarten-Ost“ will die Bürgerparkgruppe ehrenamtlich und unentgeltlich pflegen, sofern diese Bereiche bei der Umplanung durch Latz + Partner respektiert werden. Da hatten die Pflegepioniere schon die Beete im ehemaligen „Rosengarten“ der Alverdes’schen Planung von Wildkraut und Baumsämlingen befreit. Und die Gruppe arbeitete weiter, um den Kleinen Tiergarten schon jetzt ansprechender zu machen und um der Verwaltung ihre Arbeitsfähigkeit und Ernsthaftigkeit zu zeigen. Seit Anfang März 2013 wurden mehr als 530 Arbeitsstunden aufgezeichnet …..

In der „Informationsveranstaltung“ am 24.7.13 gab es ein paar lobende Worte für die BürgerparkgruppeMoabit. Aber wird ihr Angebot von der Verwaltung und vom Gartendenkmalpfleger wirklich verstanden und auch gewollt?

Anscheinend nicht, denn:
Nur zwei von vier bestehenden Banknischen sind im Plan (Stand Juli 2013) als „Staudenbeete unter Beetpatenschaft“ eingetragen. Die größte der Alverdes’schen Banknischen ist weggeplant und die kleinste ebenfalls. Aus den Blumenbeeten in den drei Gartenhöfen machen Latz + Partner vegetationslosen Boden (Tenne) oder Pflasterung mit historischen Erinnerungen. Die Planer machen die Gartenhöfe insgesamt zur Verkehrsfläche in West-Ost-Richtung, offenbar mit Zustimmung der Bezirksverwaltung.

Die Bürgerparkgruppe hat ihre Kreativität und Arbeitskraft der Verwaltung angeboten, damit das Gartendenkmal Kleiner Tiergarten-Ost für AnwohnerInnen wieder erlebbar wird: indem die jetzt noch erhaltenen vier Alverdes’schen Banknischen, die drei Gartenhöfe mir ihren Beeten und der Regenschutzhalle, und der Senkgarten samt Blumentheater durch Staudenblumenbeeten wiederbelebt werden.

Die Präsentation des abgestimmten (!) Planungsstandes morgen, 21.8.13 im BVV-Ausschuss ‚Soziale Stadt, QM, Grün und Verkehr‘ wird auch zeigen, was der Bezirk Mitte und im Hintergrund der Berliner Senat von tätiger Bürgerbeteiligung hält.
(Ich fürchte: Nichts! und hoffe, dass meine Befürchtung enttäuscht wird).

BN-M , 20.8.2013

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Leserbrief an die Berliner Zeitung

Betr. Berliner Zeitung v. 7.8.13, S. 19
Wasserspiele mit neun Fontänen„.

Sehr geehrte Redaktion,
leider ist der „Bericht“ von Uwe Aulich ein trauriges Beispiel von einseitiger Berichterstattung aus Sicht der Interessenten (Mitte Verwaltung u Latz + Partner), der Argumente und konstruktive Vorschläge von engagierten BürgerInitiativen zur Umgestaltung Kleiner Tiergarten überhaupt nicht benennt. Vor Monaten schon habe ich Herrn Aulich per Mail beispielsweise auf die http://www.BuergerparkgruppeMoabit.wordpress.com aufmerksam gemacht – vergeblich.
Ist „Verlautbarungsjournalismus“ die Linie der Berliner Zeitung?
-Aufgrund einseitiger Recherche (oder mit purer Absicht?) enthält der Bericht aber auch Mängel und Anlässe zu Fehldeutungen durch Ihre LeserInnen. Nur aufmerksame AnwohnerInnen sind besser informiert und über den Aulich-Artikel entsetzt. Beispielsweise: Nicht von Latz + Partners Gnaden wird es wieder ein Wasserspiel geben – sondern weil BürgerInnen und Gartendenkmalschutz sich für die Wiederbelebung von Wasserbecken und Springbrunnen vehement eingesetzt haben. Nicht in ein ehemaliges Wasserbecken installieren Latz + Partner jetzt neun Fontänen. Wenn Herr Aulich mal selbst in den Senkgarten gegangen wäre, könnte er noch heute die neun Fontänenanlagen im erhaltenen, leider schon lange trocken gelegten „Sprudelbecken“ sehen. Senkgarten, Gartenhöfe (von Herrn Aulich überhaupt nicht erwähnt; zu denen hat ihm Herr Stegmeier wahrscheinlich nichts erzählt, weil Latz + Partner diese Teile des Gartendenkmals zur Verkehrsfläche machen wollen), Rollerbahn und Banknischen sind Kleinode der Parkgestaltung der 1950/60er Jahre. Der Kleine Tiergarten steht seit 2010 unter Denkmalschutz. Und die Rollerbahn wird von Eltern mit Kindern oder KITA-Gruppe heute noch gern benutzt – „man erkennt sie kaum noch“ schreibt Herr Aulich – ja, wenn man sich nur von Latz + Partner informieren lässt ….

Ist es auch seinem leider beschränkten Wahrnehmungsvermögen zuzuschreiben, dass er unter Protest der Bürger lediglich den Protest gegen ungerechtfertigte Baumfällungen erwähnt? Nicht aber den Protest gegen die Verhunzung des Gartendenkmals, gegen die Verschleuderung von Steuermillion, gegen die massive Reduzierung von Grün (im Ottopark ein Drittel; im Kleinen Tiergarten ähnlich, bloß schönen Latz + Partner noch die Statistik), gegen die Öffnung des schmalen Parks zum massiven Straßenverkehr (Lärm, Staub, Anblick). Der Protest gegen die Latz-Haufen (Moabiter Volksmund zu den identitätsstiftenden „Sitzkieseln“) ist durch die hohen Kosten und die Beeinträchtigung des Gartendenkmals begründet, nicht durch ihre „Sinnlosigkeit“.
Einzig diesem Zitat von Herrn Stegmeier kann ich zustimmen: „Die Probleme der Gesellschaft kann man aber nicht mit einer Parkgestaltung lösen“. Sehr wahr.
Aber die teuren Umgestaltungen werden zum großen Teil mit der Illusion begründet, problematisch gesehene Gruppen würden dann den Park meiden.

Wie sorgt die Redaktion der Berliner Zeitung dafür, dass künftige Artikel sachlich zutreffender und journalistisch fair über Kontroversen berichten?
Mehr Infos zu Bürgeraktivitäten zum Kleinen Tiergarten auch unter: http://www.silberahorn@wordpress.com

8.8.13 B. Nake-Mann