Archiv für den Monat Mai 2013

Shoppingquartier Berlin Mitte

Zieht der  Investor den Bezirk über den Tisch?

Seit Jahren ist auf dem Areal der ehemaligen Schultheissbrauerei an der Stromstraße in Moabit ein großes Einkaufs- und Dienstleistungszentrum geplant. Der umstrittene Bebauungsplan 1-43 VE ist seit Mai 2012 rechtskräftig.
Die riesige festgesetzte Verkaufsfläche für Einzelhandel von maximal 20.000 qm ist größer als die gesamte Handelsfläche des Sanierungsgebietes entlang der Turmstraße bis zur Beusselstraße. Damit widerspricht der Schultheiss-Bebauungsplan dem Stadtentwicklungsplan Zentren 3 des Senats von 2011. Dennoch segneten Senat und Bezirk das Schultheissprojekt bisher ab.

Im Herbst 2012 hat ein neuer Investor, die HGHI, die beispielsweise auch das „Schloss“ in Steglitz entwickelte, das Schultheiss-Areal (ganz oder teilweise?) erworben. Seitdem wird am Bebauungsplan hinter den Kulissen „gedreht“. Ohne Beteiligung der Öffentlichkeit ist der Bezirk mit Bezirksbaustadtrat Carsten Spallek (CDU) bereit, den B-Plan im Interesse der HGHI zu ändern. Auf der Internetseite der HGHI  wird das Schultheiss Projekt unter „Shoppingquartier Berlin Mitte“ angekündigt.

Am 10. Mai 2013 berichtet die „ImmobilienZeitung“ online, dass HGHI den Bebauungsplan modifizieren will, „sodass rund 120 Läden mit ca. 30.000 qm Retailfläche entstehen“, statt bisher geplanter 65 Geschäfte auf zusammen 20.000 qm.

Würde der Bezirk diesem Ansinnen folgen, wäre das Ladensterben im Sanierungsgebiet Turmstraße, das die traditionelle Geschäftsstraße eigentlich in ganzer Länge bis Beusselstraße aufwerten soll, noch dramatischer vorprogrammiert als beim rechtskräftigen Bebauungsplan ohnehin. Noch vorhandene Fachgeschäfte der Turmstraße und Kaufkraft müssten bzw. würden ins (Schultheiss) Shoppingquartier Berlin Mitte abwandern. –
Genau solche Entwicklungen will der Zentrenplan 3 des  Berliner Senats von 2011 aus guten Gründen verhindern.

Besonders skandalös: Bezirksamt und Investor wollen die erneute Offenlegung des wesentlich geänderten Bebauungsplans und eine erneute Bürgerbeteiligung verhindern – trotz neuer Konflikte.  Hinter den Kulissen sollen mit Verwaltungstricks sowohl die zuständige Bezirksverordnetenversammlung (BVV)  wie auch die Öffentlichkeit ausgebootet werden.
Zum Schaden auch der demokratischen Beteiligungskultur.

 12. Mai 2013
Von unserem korrespondierenden Mitglied KERN.

Grüne Wand . . .

nicht hinsehen  – nicht hinhören  – Kritik an der Planung abwehren

Wenn wir ( von der BürgerparkgruppeMoabit) im Kleinen Tiergarten  in den Pflegebereichen arbeiten, ergeben sich immer wieder mal interessante Gespräche mit Passanten. Die meisten werden durch unser Hinweisschild aufmerksam.

Anfang Mai habe ich aber eine Passantin, die mir bekannt war, selbst angesprochen: „Sehen Sie Frau X, hier pflegen wir, weil das alles weggeplant werden soll“. Und ich wies auf eines der großen Beete ( im Pflegebereich 2) hin, das teils Wegefläche mit wassergebundener Decke, teils Latz’scher „Heckenkörper“ werden soll. ( s. Plan vom 1.3.2013). Und ich zeigte auch auf die Bänke der von Willy Alverdes geplanten Sitznische, die alle verschwinden sollen.

Die Passantin ist gut informiert, ist sie doch Vorsitzende eines Gremiums, das von Verwaltung und Latz + Partner vorrangig informiert und berücksichtigt wird.  „Ach was“, antwortet sie, „das stimmt doch gar nicht; es sollen doch nur Sichtschneisen zur Straße hin geöffnet werden. Damit man nicht nur immer gegen eine grüne Wand blicken muss!“ – Ich folge ihrem Blick Richtung Sträucher entlang der Straße Alt Moabit, die in der Tat die Sicht auf die dort parkenden und fahrenden Kraftfahrzeuge noch verdecken. Lieber Autos zu sehen als grüne Sträucher und diese als „grüne Wand“ zu diffamieren, ist Geschmacksache. Der schützende Sträuchersaum war aber gar nicht mein Thema.
Ich wollte die Vorsitzende doch auf das Beet hinweisen, ein großes Potential für einen angenehmen Aufenthalt im Kleinen Tiergarten-Ost, wenn es mit blühenden Stauden neu bepflanzt und durch die Bürgerparkgruppe gepflegt werden würde. Sich auf einen neuen Aspekt einzulassen, hatte sie aber keine Zeit …. und wohl auch eine grüne Wand zu fest im Kopf.