Vorbereitung auf die Planungswerkstatt am 24. Nov. 12

Vieles wird morgen nachzufragen und zu bearbeiten sein. Da ist es naheliegend, nochmal nachzulesen, was schon für die Planungswerkstatt am 27. Okt. vorbereitet wurde und dann an Verwaltung und Politik geschickt wurde: Appell an Politik und Verwaltung von Berlin und Berlin-Mitte.

Kleiner Tiergarten–Ost:
Chancen für tätige Bürgerbeteiligung und gartendenkmal-gerechte
Wiederbelebung !
Landschaftsarchitekt und Wettbewerbsgewinner T. Latz sagte (in der InfoVeranstaltung am 25. Sept. 2012): „Der Kleine Tiergarten-Ost kann ganz anders aussehen als der Ottopark ……….. .“ *)
Das muss er auch, denn der Kleine Tiergarten steht unter Gartendenkmalschutz.
Und das bedeutet, dass Anlagen und Wege und Pflanzungen nach den Planungen von Willy Alverdes (in den 1950er Jahren) erhalten, wiederbelebt und gepflegt werden müssen!
Erhalten und gestalten! Ist der Slogan der zeitgemäßen Denkmalpflege seit dem Europäischen Jahr der Denkmalpflege 1975 !
Also nicht: abreißen, platt machen und was Neues/Altes hinbauen oder hinpflanzen! Das weiß auch Landschaftsarchitekt T. Latz und die Grünflächenverwaltung von Berlin-Mitte. Und der Gartendenkmalpfleger des Senats, Herr Lingenauber, hat es beim Rundgang durch den KT-Ost am 18.9.12 auch deutlich gemacht.

Auch gibt es eine weitere positive Entwicklung, die die Chancen für „Erhalten und gestalten!“des Kleinen Tiergartens-Ost realistisch erscheinen lassen: Bürgerproteste gegen Baumfällungen und wegen verspäteter Bürgerinformationen haben weitere kritische Bürgerinnen erreicht. Und die Bereitschaft zu auch tätiger Bürgerbeteiligung aktiviert. Die Chance ist gegeben, dass sich mehr und mehr Anwohner mit dem Kleinen Tiergarten und der Wiedererweckung seiner Qualitäten identifizieren.
Deshalb appellieren wir an Politik und Verwaltung (von Berlin und B-Mitte):
Geben Sie Latz + Partner die Chance, den Vorentwurf so zu modifizieren
(1) dass verhandene Qualitäten für Anwohner und Nutzer erhalten bleiben,
(2) dass verborgenen Qualitäten, insbesondere des Gartendenkmals, sichtbar werden und zeitgemäß genutzt werden können
(3) dass Mitgestaltungsideen und Bereitschaft zur tätigen Beteiligung (=
Parkpflege!) aufgegriffen und ihre Entfaltung gefördert wird.

Einige Beispiele
zu (1) vorhandene Qualitäten für Anwohner und Nutzer erhalten:
1.1 zentraler Sandspielplatz: erhalten und verbessern!
1.2 vielfältig grüner, artenreicher Sträuchersaum an den Hauptstraßen

Keine „Grüne Wand“ – sondern ein vielgrünes Ensemble aus rosafrüchtiger Schneebeere, immergrünem Schneeball, Scharlachdorn und Roteiche – am Rand von Alt-Moabit

1.3 Bodenbedeckergrün, Büsche und halbhohe Bäume (für Nachtigall und viele weitere Singvögel, an denen Parkbesucher Freude haben)
1.4 beeindruckende Bäume (Silberahornbäume im und am Senkgarten, Eiche Nr 604, Birken auf der großen Wiese)
1.5 die große Wiese mit ihrer Bodenwellen-Oberfläche
1.6 vielfältige Zusammensetzung der Gebüsche erhalten (beispielsweise Eiben nicht vom Inneren an die Ränder verpflanzen ( lt. Latz-Plan), was Düsternis an den Rändern erzeugen würde)
1.7 den Diagonal-Weg über die große Wiese so erhalten, wie er ist: er wurde
bedarfsgerecht ertrampelt und von der Verwaltung mit Platten befestigt. Ihn
irgendwie abzuknicken würde außer Umbaukosten nichts Positives bringen.

Zwei der drei Birken und die Eiche in der Mitte sollen nach Latz-Plan gefällt werden.

zu (2) verborgene (zugewachsene) Qualitäten wiederbeleben oder sichtbar machen:
2.1 Senkgarten: Wasserbecken, Sprudelbecken, Springbrunnen wiederbeleben
2.2 aus zugewachsenen Wasserbecken Sträucher umpflanzen, falls nicht als
Wasserbecken wiederbelebbar, dann mit niedrigen, blau blühenden Stauden
bepflanzen
2.3 Fontanesien pflegen/verjüngen
2.4 Regenschutzhalle, Rankgerüst und Vorplatz erneuern: Lichtdurchlässiges Dach, mit Solar-Element für Stromversorgung des Springbrunnens. Mauer aus hellen Ziegeln: durch Säubern ansehnlich machen, durch Versiegeln unempfindlich gegen Schmierereien. Kletterrosen an den Rankgerüsten, Blütenstauden an ihrem Fuß. Nutzbar z.B. als Anwohner-Treff-Punkt für
spontane Treffen/Tee-Trinken/Austausch
2.5 Heckengärten/Wohngärten: zugepflanzte Wasserbecken von Sträuchern befreien. Springbrunnen und Wasserbecken wiederbeleben; falls das finanziell nicht möglich: Becken mit niedrigen Blütenstauden und Zwiebelblumen bepflanzen. Deshalb den schützenden Saum von Sträuchern längs der Turmstraße erhalten: wichtig für Abschirmung vor Straßenlärm und Unruhe und Staub und Gestank. Essentiell für Singvogelwelt, u.a. Nachtigall, die Parkbesucher erfreuen bzw. im Frühling in den Kleinen Tiergarten und zu den „Wohngärten“ locken.
2.7 Sitznischen entlang Parallelweg zu Alt Moabit: auch diese sind Teil des
Gartendenkmals! Behagliche Aufenthaltssituationen wieder herstellen! Entfernen des Aufwuchses vor den Sitzbänken, Staudenblumenbeete davor wieder bepflanzen und pflegen – Blick Richtung große Wiese – dafür ist wesentlich: im Rücken der schützende Saum der vorhandenen Sträucher! Kein Aufreißen für Heckenkörper und vegetationslosen Boden!

Bodendecker: Efeu, Immergrün, Gefleckte Taubnessel – sollen lt. Plan durch vegetationslose wassergebundene Decke ersetzt werden

Drei weitere Aspekte sprechen für die Erhaltung des Sträuchersaums und der grünen Bodenbedecker entlang Alt Moabit:

1. Der Streifen entlang Alt Moabit ist „planungsbefangen“ wegen einer möglichen Trassierung der Staßenbahn von Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße (evtl. weiter bis Beusselstraße oder Seestraße …) Nicht einmal kleine Fußgängerinseln zur Querungserleichterung können auf Alt Moabit errichtet werden, wegen Planungsbefangenheit (so Stadtentwicklungs- und Bauen-Bezirksstadtrat C. Spallek am 25.9.12 in der InfoVeranstaltung). Und aus demselben Grund können die eigentlich vorgesehenen Fahrradstreifen/ Fahrradwege am nördlichen Rand von Alt Moabit nicht gebaut werden (so Büro Vepro) Es ist nicht zu rechtfertigen, dass die bisherigen Pläne von Latz + Partnern aufrecht erhalten werden, die dort Erdarbeiten, Baum- Fällungen und Rodungen von Büschen vorsehen und Heckenkörper auf großflächig vegetationslosen Boden (wassergebundene Decke) herstellen wollen, der dann (je nach Ausgang der „Machbarkeitsstudie Straba“ ) eventuell für die Straßenbahn neu umgebaut wird.
Und: je mehr der Rand des Kleinen Tiergartens längs Alt Moabit zur faktischen Verkehrsfläche („aktive Ränder“ lt. Latz) umgestaltet werden würde, umso eher könnten die Straba-Planer die Trasse über Alt Moabit für „geeignet halten“ (statt über die Turmstraße) und den ohnehin schmalen Kleinen Tiergarten beeinträchtigen

2. Die Parkgestaltung von Willy Alverdes hat an den Rändern (straßenseitig)
schützende Säume aus vielfältig aufgebauten Sträuchern vorgesehen. Diese sind schon aus gartendenkmalschützerischen Gründen zu erhalten. Hinzu kommen die menschenschützenden Gründe (Aufenthaltsqualität, Gesundheitsschutz) und die naturschützenden Gründe (Singvogelhabitate), die wiederum für naturliebende ParkbesucherInnen ausschlaggebend sind.

Vielfältig aufgebaute schützende Hecken am Nordrand des Kleinen Tiergartens

3. Auch und gerade diese Sitznischen entlang Alt Moabit haben sich die Aktiven von der Parkpflegegruppe Kleiner Tiergarten (Bürgerparkgruppe Moabit) vorgenommen, um sie vom Wildwuchs zu befreien. Diese Aktivitäten bieten die Chance, das Miteinander sehr unterschied-licher sozialer Gruppen, die in Moabit leben, zu befördern – bei der Parkpflegarbeit selbst und durch die erfreulich anzusehenden Ergebnisse ihrer Arbeit!
Dieses bürgerschaftliche Engagement sollte durch die Verwaltung des Bezirks Mitte und durch alle Fraktionen der BVV Mitte anerkannt und befördert werden!
Bestärken Sie das bürgerschaftliche Engagement durch Modifikation der
Planungen/Planungsvorgaben für den Kleinen Tiergarten-Ost!

*) Im privaten Nachgespräch stellte Herr Latz allerdings richtig, dass er am 25.9.12 nur die Nutzung, nicht die Gestaltung des Kleinen Tiergartens-Ost gemeint hätte!

BI SilberahornPLUS: Brigitte Nake-Mann, Elke Heimig, Mumin, Yves und andere. 27.10.12/korr 9.11.12

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