Archiv für den Monat November 2012

Wie war es bei der Planungswerkstatt am 24. Nov. 12 ?

Die  Planungswerkstatt war einigermaßen seltsam.
Das KoSP-Büro hatte eine professionelle Moderatorin www.ikberlin.com geheuert, die mit einem  Team von weiteren Vier auftauchte. Leider hatte sie keine Kenntnisse von der Örtlichkeit  „Kleiner Tiergarten“ und in Fragen  der Grünplanung oder des Gartendenkmalschutzes. Das war dann misslich, wenn sie inhaltliche Fragen formulierte oder Äußerungen von TeilnehmerInnen zusammenfasste.
Das Planungsbüro Latz stellte den aktualisierten Plan per powerpoint vor. Es
gab viele Nachfragen, aber keine systematische Auseinandersetzung mit dem Plan.

Vielfalt der kundig komponierten Sträucher erhalten –
nicht wegmachen und neu pflanzen!

Die BI SilberahornPLUS konnte für den Erhalt von vorhandenen Qualitäten (wohl komponierte Sträuchergruppen, Nachtigallen-Habitate) werben.

Habitate (Aufenthaltsorte) der Nachtigallen im Kleinen Tiergarten-Ost

Die Bürgerparkgruppe Moabit hatte als Ergebnis des Parkrundgangs vom 4. Nov.12 ein Plakat  der Sträuchervielfalt im Kleinen Tiergarten erstellt.

Vielfalt der Sträucher im Kleinen Tiergarten (Auswahl) –
nicht nur Eiben, Buchs, Mahonie und Feuerdorn!

Frau Homann vom Moabiter Ratschlag stellte Ergebnisse der Jugend- und Migrantenbefragungen vor, relativ kurz, weil diese ja schon in der ersten Planungswerkstatt präsentiert worden waren. Hat Frau Homann auch von den Elternbefragungen berichtet und dass alle Eltern für die Beibehaltung des zentralen Sandspielplatzes an dieser Stelle plädiert haben? Siehe Punkt 4 bzw. Punkt 9 meiner Notizen .

In Arbeitsgruppen wurde dann konstruktiv zu wichtigen Fragen (nicht allen
relevanten) gearbeitet – dafür gab es aber nur eine Stunde Zeit.

Nach den Arbeitsgruppenberichten wäre es richtig gewesen, aufgetretene
Widersprüche zwischen einzelnen Arbeitsgruppen aufzuzeigen und mit dem Ziel der Konfliktlösung zu diskutieren.
Stattdessen wollte die Moderatorin ein  „Meinungsbild“ per Aufstellung zu  vage formulierten „Entscheidungsfragen“ erzielen. Dagegen gab es (glücklicherweise) Protest und Widerstand.

Die arme Verwaltung hat nun leider kein „Meinungsbild“ erhalten , aber das
arme KoSP-Büro die Aufgabe, die Konfliktthemen aufzuzeigen
und in einer weiteren Veranstaltung die  „Konfliktbearbeitung“ nachzuholen.

So soll es weitergehen:

Abschlussplakat der Moderatorin

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Vorbereitung auf die Planungswerkstatt am 24. Nov. 12

Vieles wird morgen nachzufragen und zu bearbeiten sein. Da ist es naheliegend, nochmal nachzulesen, was schon für die Planungswerkstatt am 27. Okt. vorbereitet wurde und dann an Verwaltung und Politik geschickt wurde: Appell an Politik und Verwaltung von Berlin und Berlin-Mitte.

Kleiner Tiergarten–Ost:
Chancen für tätige Bürgerbeteiligung und gartendenkmal-gerechte
Wiederbelebung !
Landschaftsarchitekt und Wettbewerbsgewinner T. Latz sagte (in der InfoVeranstaltung am 25. Sept. 2012): „Der Kleine Tiergarten-Ost kann ganz anders aussehen als der Ottopark ……….. .“ *)
Das muss er auch, denn der Kleine Tiergarten steht unter Gartendenkmalschutz.
Und das bedeutet, dass Anlagen und Wege und Pflanzungen nach den Planungen von Willy Alverdes (in den 1950er Jahren) erhalten, wiederbelebt und gepflegt werden müssen!
Erhalten und gestalten! Ist der Slogan der zeitgemäßen Denkmalpflege seit dem Europäischen Jahr der Denkmalpflege 1975 !
Also nicht: abreißen, platt machen und was Neues/Altes hinbauen oder hinpflanzen! Das weiß auch Landschaftsarchitekt T. Latz und die Grünflächenverwaltung von Berlin-Mitte. Und der Gartendenkmalpfleger des Senats, Herr Lingenauber, hat es beim Rundgang durch den KT-Ost am 18.9.12 auch deutlich gemacht.

Auch gibt es eine weitere positive Entwicklung, die die Chancen für „Erhalten und gestalten!“des Kleinen Tiergartens-Ost realistisch erscheinen lassen: Bürgerproteste gegen Baumfällungen und wegen verspäteter Bürgerinformationen haben weitere kritische Bürgerinnen erreicht. Und die Bereitschaft zu auch tätiger Bürgerbeteiligung aktiviert. Die Chance ist gegeben, dass sich mehr und mehr Anwohner mit dem Kleinen Tiergarten und der Wiedererweckung seiner Qualitäten identifizieren.
Deshalb appellieren wir an Politik und Verwaltung (von Berlin und B-Mitte):
Geben Sie Latz + Partner die Chance, den Vorentwurf so zu modifizieren
(1) dass verhandene Qualitäten für Anwohner und Nutzer erhalten bleiben,
(2) dass verborgenen Qualitäten, insbesondere des Gartendenkmals, sichtbar werden und zeitgemäß genutzt werden können
(3) dass Mitgestaltungsideen und Bereitschaft zur tätigen Beteiligung (=
Parkpflege!) aufgegriffen und ihre Entfaltung gefördert wird.

Einige Beispiele
zu (1) vorhandene Qualitäten für Anwohner und Nutzer erhalten:
1.1 zentraler Sandspielplatz: erhalten und verbessern!
1.2 vielfältig grüner, artenreicher Sträuchersaum an den Hauptstraßen

Keine „Grüne Wand“ – sondern ein vielgrünes Ensemble aus rosafrüchtiger Schneebeere, immergrünem Schneeball, Scharlachdorn und Roteiche – am Rand von Alt-Moabit

1.3 Bodenbedeckergrün, Büsche und halbhohe Bäume (für Nachtigall und viele weitere Singvögel, an denen Parkbesucher Freude haben)
1.4 beeindruckende Bäume (Silberahornbäume im und am Senkgarten, Eiche Nr 604, Birken auf der großen Wiese)
1.5 die große Wiese mit ihrer Bodenwellen-Oberfläche
1.6 vielfältige Zusammensetzung der Gebüsche erhalten (beispielsweise Eiben nicht vom Inneren an die Ränder verpflanzen ( lt. Latz-Plan), was Düsternis an den Rändern erzeugen würde)
1.7 den Diagonal-Weg über die große Wiese so erhalten, wie er ist: er wurde
bedarfsgerecht ertrampelt und von der Verwaltung mit Platten befestigt. Ihn
irgendwie abzuknicken würde außer Umbaukosten nichts Positives bringen.

Zwei der drei Birken und die Eiche in der Mitte sollen nach Latz-Plan gefällt werden.

zu (2) verborgene (zugewachsene) Qualitäten wiederbeleben oder sichtbar machen:
2.1 Senkgarten: Wasserbecken, Sprudelbecken, Springbrunnen wiederbeleben
2.2 aus zugewachsenen Wasserbecken Sträucher umpflanzen, falls nicht als
Wasserbecken wiederbelebbar, dann mit niedrigen, blau blühenden Stauden
bepflanzen
2.3 Fontanesien pflegen/verjüngen
2.4 Regenschutzhalle, Rankgerüst und Vorplatz erneuern: Lichtdurchlässiges Dach, mit Solar-Element für Stromversorgung des Springbrunnens. Mauer aus hellen Ziegeln: durch Säubern ansehnlich machen, durch Versiegeln unempfindlich gegen Schmierereien. Kletterrosen an den Rankgerüsten, Blütenstauden an ihrem Fuß. Nutzbar z.B. als Anwohner-Treff-Punkt für
spontane Treffen/Tee-Trinken/Austausch
2.5 Heckengärten/Wohngärten: zugepflanzte Wasserbecken von Sträuchern befreien. Springbrunnen und Wasserbecken wiederbeleben; falls das finanziell nicht möglich: Becken mit niedrigen Blütenstauden und Zwiebelblumen bepflanzen. Deshalb den schützenden Saum von Sträuchern längs der Turmstraße erhalten: wichtig für Abschirmung vor Straßenlärm und Unruhe und Staub und Gestank. Essentiell für Singvogelwelt, u.a. Nachtigall, die Parkbesucher erfreuen bzw. im Frühling in den Kleinen Tiergarten und zu den „Wohngärten“ locken.
2.7 Sitznischen entlang Parallelweg zu Alt Moabit: auch diese sind Teil des
Gartendenkmals! Behagliche Aufenthaltssituationen wieder herstellen! Entfernen des Aufwuchses vor den Sitzbänken, Staudenblumenbeete davor wieder bepflanzen und pflegen – Blick Richtung große Wiese – dafür ist wesentlich: im Rücken der schützende Saum der vorhandenen Sträucher! Kein Aufreißen für Heckenkörper und vegetationslosen Boden!

Bodendecker: Efeu, Immergrün, Gefleckte Taubnessel – sollen lt. Plan durch vegetationslose wassergebundene Decke ersetzt werden

Drei weitere Aspekte sprechen für die Erhaltung des Sträuchersaums und der grünen Bodenbedecker entlang Alt Moabit:

1. Der Streifen entlang Alt Moabit ist „planungsbefangen“ wegen einer möglichen Trassierung der Staßenbahn von Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße (evtl. weiter bis Beusselstraße oder Seestraße …) Nicht einmal kleine Fußgängerinseln zur Querungserleichterung können auf Alt Moabit errichtet werden, wegen Planungsbefangenheit (so Stadtentwicklungs- und Bauen-Bezirksstadtrat C. Spallek am 25.9.12 in der InfoVeranstaltung). Und aus demselben Grund können die eigentlich vorgesehenen Fahrradstreifen/ Fahrradwege am nördlichen Rand von Alt Moabit nicht gebaut werden (so Büro Vepro) Es ist nicht zu rechtfertigen, dass die bisherigen Pläne von Latz + Partnern aufrecht erhalten werden, die dort Erdarbeiten, Baum- Fällungen und Rodungen von Büschen vorsehen und Heckenkörper auf großflächig vegetationslosen Boden (wassergebundene Decke) herstellen wollen, der dann (je nach Ausgang der „Machbarkeitsstudie Straba“ ) eventuell für die Straßenbahn neu umgebaut wird.
Und: je mehr der Rand des Kleinen Tiergartens längs Alt Moabit zur faktischen Verkehrsfläche („aktive Ränder“ lt. Latz) umgestaltet werden würde, umso eher könnten die Straba-Planer die Trasse über Alt Moabit für „geeignet halten“ (statt über die Turmstraße) und den ohnehin schmalen Kleinen Tiergarten beeinträchtigen

2. Die Parkgestaltung von Willy Alverdes hat an den Rändern (straßenseitig)
schützende Säume aus vielfältig aufgebauten Sträuchern vorgesehen. Diese sind schon aus gartendenkmalschützerischen Gründen zu erhalten. Hinzu kommen die menschenschützenden Gründe (Aufenthaltsqualität, Gesundheitsschutz) und die naturschützenden Gründe (Singvogelhabitate), die wiederum für naturliebende ParkbesucherInnen ausschlaggebend sind.

Vielfältig aufgebaute schützende Hecken am Nordrand des Kleinen Tiergartens

3. Auch und gerade diese Sitznischen entlang Alt Moabit haben sich die Aktiven von der Parkpflegegruppe Kleiner Tiergarten (Bürgerparkgruppe Moabit) vorgenommen, um sie vom Wildwuchs zu befreien. Diese Aktivitäten bieten die Chance, das Miteinander sehr unterschied-licher sozialer Gruppen, die in Moabit leben, zu befördern – bei der Parkpflegarbeit selbst und durch die erfreulich anzusehenden Ergebnisse ihrer Arbeit!
Dieses bürgerschaftliche Engagement sollte durch die Verwaltung des Bezirks Mitte und durch alle Fraktionen der BVV Mitte anerkannt und befördert werden!
Bestärken Sie das bürgerschaftliche Engagement durch Modifikation der
Planungen/Planungsvorgaben für den Kleinen Tiergarten-Ost!

*) Im privaten Nachgespräch stellte Herr Latz allerdings richtig, dass er am 25.9.12 nur die Nutzung, nicht die Gestaltung des Kleinen Tiergartens-Ost gemeint hätte!

BI SilberahornPLUS: Brigitte Nake-Mann, Elke Heimig, Mumin, Yves und andere. 27.10.12/korr 9.11.12

BürgerParkGruppeMoabit in Aktion

Am Dienstag 13. Nov. und Sonntag 18. Nov. 2012  konnte man die
BürgerPark-GruppeMoabit (in Gründung) bei der Pflege von verwilderten Beeten im Kleinen Tiergarten antreffen.  Mitglieder von SilberahornPLUS halfen auch mit. Am Sonntag waren wir zu fünft.

Bei der Arbeit in einer der Alverdes’schen Sitznischen am 13. Nov 2012

Diese Arbeitseinsätze sind mit dem Grünflächenamt abgestimmt. Aber eine nur unentgeltliche, ehrenamtliche Pflegetruppe wollen die aktiven Bürgerinnen nicht sein. Sondern: sie wollen mit ihrer Arbeit sichtbar machen, wie schön, zweckmäßig und durchdacht die Parkanlage nach den Plänen von Willy Alverdes einmal war und sie vor der Wegplanung retten.  Mangels Personal und Pflege in den letzten Jahren ist vieles jetzt zugewachsen, die attraktiven Wasserbecken und Springbrunnen sind defekt.

Das Plakat im Busch lädt Spaziergänger zu Nachfragen ein !

Das Büro Latz + Partner ist beauftragt (Gewinner des Wettbewerbs von 2010), den Kleinen Tiergarten und Ottopark umzugestalten, aber mit behutsamen Umgang mit dem Baumbestand und dem Gartendenkmal (d.i. der Kleine Tiergarten zwischen Thusnelda Allee und St. JohannisKirche).

Leider respektieren die Entwürfe von Latz + Partner  die Vegetation und das Gartendenkmal aber nur teilweise. Sie überplanen beispielsweise die Sitznischen entlang von Alt-Moabit. Und sie sehen vegetationslosen Boden mit nur kleinen Heckenkörpern entlang der Hauptverkehrsstraßen vor, anstelle eines schützenden Sträuchersaums, den Willy Alverdes plante (obwohl damals der Straßenverkehr noch harmlos war).

In diesem Herbst und Winter läuft die Bürgerbeteiligung für den Parkteil zwischen Stromstraße und St.Johanniskirche. Hoffentlich gelingt es den engagierten AnwohnerInnen, Verwaltung und Politik zu überzeugen und den Plan der Planer aus Südbayern an die Bedürfnisse im dichtbebauten Moabit und die Wünsche vieler AnwohnerInnen anzupassen!

Probe auf die Zukunft – Suppe essen unterm Dach

Die „Bürgerparkgruppe Moabit“ hatte eingeladen – und Engagierte und Neugierige folgten der Einladung zum gemeinsamen Suppeessen im Kleinen Tiergarten, der sich in den schönsten Herbstfarben zeigte.

Herbstfarben im Kleinen Tiergarten am 11. Nov. 2012

Pünktlich zum Beginn regnete es auch ein paar Tropfen, so dass man unter das Regenschutzdach „flüchtete“. Dort hatte die „Kiezmutter“ Frau Karaca schon Linsensuppe und Kicherebsensuppe bereit gestellt, heiß gehalten auf einem kleinen Gaskocher. Wer mitesssen wollte, hatte Teller und Löffel mitgebracht, wie in der Einladung empfohlen

Wer Suppe essen wollte, brachte sich Teller und Löffel mit

Dann brachte Herr Dogan aus seinem Park Café doch noch Plastiklöffel und -teller herbei, so dass auch die vorbeikommenden Parkbesucher die köstlichen Suppen probieren konnten – und sich über die Parkplanung und die Vorschläge der Bürgerinitiativen informieren lassen. Die engagierten BürgerInnen malten sich und den Besuchern aus, wie schön der künftige „Familientreffpunkt“ unter und vor der Regenschutzhalle sein wird: Wenn das Dach lichtdurchlässig, die Mauer gesäubert und wieder hell wäre, an den Rankgerüsten blühende Schlinggewächse kletterten (Rosen oder Jelängerjelieber z.B.) und am Boden blühende Stauden angepflanzt wären – und vielleicht –  auf dem Vorplatz der Springbrunnen wieder plätscherte! Für die Pflege der Pflanzen will sich die Bürgerparkgruppe engagieren – für den Erhalt (und die Renovierung) der Halle setzt sich der Gartendenkmalpfleger ein, der auch auf die Wiederbelebung von Wasseranlagen der denkmalgeschützten Alverdes-Planungen hofft. –

Unterm Regendach: Suppe essen und sich informieren über die Planungen für den Kleinen Tiergarten

Die Mischung der Besucher und Suppenesser am Sonntag 11. Nov. 12 war schon ein guter Anfang für den künftigen Treffpunkt der vielen unterschiedlichen Bewohner Moabits! Dank an die Suppenköchin und die Bürgerparkgruppe Moabit!

Wie war es bei der Planungswerkstatt ?

Nach der „Bürger-Planungswerkstatt“ am 27. Okt. wurde ich immer wieder gefragt, wie es denn gewesen war? Antworten:  Sehr viel besser als bei der ersten Planungswerkstatt (am 12. Febr. 2011 zum Ottopark/Kleiner Tiergarten-West)! Damals wurden die gutwilligen BürgerInnen ziemlich überfahren (vgl. „Transparenz und Bürgerbeteiligung“) , diesmal waren auf der Seite des KoSP-Büros  schon im Vorfeld Informationen und Pläne veröffentlicht worden und es hatten im September 2012 thematische  Rundgänge und Befragungen stattgefunden (Dank an die dafür Engagierten in der STV!).

Deshalb konnten sich engagierte BürgerInnen in der Planungswerkstatt am 27.10. informierter beteiligen. Beispielsweise hatten sich AnwohnerInnen nach einem von der Bürgerparkgruppe Moabit organisierten Rundgang (14.10.12)  durch den Kleinen Tiergarten zusammen gesetzt und Wünsche, Ablehnungen und Forderungen formuliert.

In der Planungswerkstatt hatten zunächst die Planer Latz + Partner das Wort.

Tilmann Latz und Gisbert Preuss am Podium

Ihre Präsentation kann man auf http://www.turmstrasse.de ansehen.

Planungsstand, der gezeigt wurde. Ob noch aktuell, ist eine Frage ……

Der erste Teil wurde am Vormittag gezeigt, der zweite zum Ausklang („Ausblick“) am Nachmittag. Nach der Einführung des Planers und der Präsentation von Befragungen von Migranten und Eltern durch den „Moabiter Ratschlag“ im September 2012 sollten die Anwesenden (ca 50 AnwohnerInnen plus Verwaltung, Beauftragte und Planer-Büro) sich an fünf Tischen zusammenfinden und ihre Wünsche und Anregungen auf Moderationskärtchen bzw. den Planer-Plänen festhalten.

Die Zusammensetzung an den Tischen war ziemlich zufällig. Damit leider sehr ähnlich der Situation im Februar 2011. Meist wurde also über „alles“ diskutiert. Es gab allerdings einen Tisch mit den Schwerpunkten: „Orientalischer Garten im Senkgarten / Teehaus als informeller Treffpunkt bei der Regenschutzhalle / Ort für Obdachlose – wo?“ und einen zweiten zu  „Naturschutz- und Klimaschutz-/-folgen-Fragen“, die sich auf Initiative von TeilnehmerInnen zusammen fanden, nicht auf Initiative der Versammlungsleitung.

In der Berichterstattung von den Arbeitstischen überraschte wohl (die Leitung und die Planer) die große deutliche Ablehnung der „Sitzkiesel“ im denkmalgeschützten Kleinen Tiergarten und der Einsatz für die Beibehaltung des schützenden Sträuchersaums (der Alverdes-Planung) entlang der Hauptverkehrsstraßen. Die Idee eines „orientalisch anmutenden Gartens im Senkgarten“ und die Wiederbelebung von Sprudelbrunnen und Wasserbecken fand große Zustimmung.

Anerkennung und Zustimmung fand auch die „Bürgerparkgruppe Moabit (in Gründung)“:  das sind engagierte AnwohnerInnen, die Teile des Kleinen Tiergartens pflegen wollen (und mit dem Grünflächenamt darüber schon gesprochen haben), mit dem Ziel, die zugewachsenen Qualitäten der Alverdes’schen Planung wieder sichtbar zu machen und sie vor der Umgestaltung (Wegplanung) zu bewahren. Manuela Belewsky stellte die ausgewählten Pflegebereiche und ihre bisherige und geplante  Arbeit vor.

Nun sind wir gespannt, wie das offizielle Protokoll der Planungswerkstatt vom 27.10.12 ausfällt (bis jetzt noch nicht veröffentlicht, 11.11.12).

Besonders interessant waren übrigens die informellen Nachgespräche nach Ende der Planungswerkstatt. Davon schreibe ich vielleicht noch bald.     (BN-M, 11.11.12)

Transparenz und Bürgerbeteiligung

Heute, 5. Nov. 2012  tagt der BVV- Ausschuss für Transparenz und Bürgerbeteiligung im Rathaus Berlin-Mitte. Ich hoffe, dass ich zum Tagesordnungspunkt Ö 5.1 „Beteiligungsverfahren in der Stadtentwicklung an den Beispielen Monbijoupark und Kleiner Tiergarten 1./2. Bauabschnitt“  das Wort erhalte:

Bürgerbeteiligung am Beispiel Kleiner Tiergarten/Ottopark,
2009 bis 2012

Bei allen Beratungen und Überlegungen ist zu berücksichtigen, dass es (in Berlin) grundlegende Auffassungsunterschiede zwischen Verwaltung und engagierten Bürgerinnen gibt, was „Bürgerbeteiligung“ in der Stadtentwicklung ist bzw. sein sollte.
Daraus erklärt sich auch das „gute Gewissen“ von Verwaltung und (überwiegend) PolitikerInnen, die auf die „vielen Termine zur Bürgeri-nformation zum KTO“ verweisen und sogar sagen „Soviel Bürgerbeteiligung haben wir noch nie gemacht; und das kommt auch nicht mehr vor“.

Engagierte Bürgerinnen hingegen begreifen Bürgerbeteiligung
1. als Chance der Verwaltung, anlässlich eines Projektes (wie Umgestaltung KTO) die AnwohnerInnen zu erhöhter Aufmerksamkeit und mehr Engagement für ihren Stadtteil zu motivieren, soziales Engagement und Kooperation zu fördern.
2. verbunden mit der Pflicht der Verwaltung, über Ziel und Ressourcen des Projekts frühzeitig zu informieren, bevor Festlegungen getroffen worden sind.
3. als ein offenes, konstruktives, kundig moderiertes, mehrstufiges Beteiligungsverfahren, in dem Vorstellungen der Verwaltung, von BürgerInnen und eventuell von zusätzlichen Fachleuten zusammengetragen werden. Diese sind auf Vereinbarkeit oder Ausschließlichkeit in einem offenen Verfahren zu prüfen und gleichberechtigt abzuwägen. Das heißt: auch diese Abwägung muss mit Beteiligung der Vorschläge machenden Bürger/gruppen erfolgen, nicht im „stillen Verwaltungskämmerlein“.
Gewählte oder benannte BürgervertreterInnen haben im Verfahren dasselbe Recht zur Beteiligung wie „einfache BürgerInnen“.
Erfahrungsgemäß kommen in solch einem Verfahren Aspekte und Lösungsideen zu Tage, die zu Beginn des Verfahrens noch unbekannt/ unbedacht waren. Darauf hin kann die Verwaltung Festlegungen treffen.

So ist es beim KTO leider nicht gelaufen.
Mit der Voruntersuchung und dann Auswahl des Turmstraßengebiets durch den Berliner Senat als ein „Aktives Zentrum“ im Bund-Länderprogramm (2008) kam das Potential des Kleinen Tiergartens in den Blick – und die Fördermillionen.
Auf der Informationsveranstaltung am 19.10.2009 wurde über das Verkehrskonzept im AZ Turmstraße berichtet, eine Stadtteilvertretung (die erste für das AZ) gewählt (en bloc) und erwähnt, dass für den Kleinen Tiergarten/Ottopark ein landschaftsplanerischer Wettbewerb geplant sei. „An der Jury-Sitzung kann dann auch ein Vertreter der Stadtteilvertretung
teilnehmen“.
Daraufhin versuchte die AG GRÜN der Stadtteilvertretung aber, bereits auf die Formulierung der Ausschreibung (Ziele, Inhalte, Beteiligungsorientierung) Einfluss zu nehmen.
Sie wurde von den Zuständigen im Senat hingehalten „Es ist noch viel Zeit …Es ist noch viel intern zu klären“. Ergebnis: am 14.1.2010 wurde der „Landschaftsplanerische Wettbewerb KTO“ im Amtblatt der EU veröffentlicht – ohne Hinweis auf Schwerpunkt „Bürgerbeteiligung“. Am 16.1.10 verschickte die AG GRÜN ihre „Anregungen für die Auslobung des landschaftsplanerischen Wettbewerbs KTO) an die STV (für Sitzung am
18.1.10) und dann auch an die Kontaktpersonen in Senat und Bezirksamt. Am 20.1.10 kann sie die Anregungen mit dem wettbewerbsvorbereitenden Büro LA.BAR diskutieren.
Zum „Kolloquium“ mit den eingeladenen 20 Landschaftsplanungsbüros ist die AG GRÜN ausdrücklich nicht zugelassen. ……..
Wohl aber, ein bis zwei Personen als „Gäste“ bei der Jury-Sitzung Anfang Juli 2010.

Aus Sicht der Verwaltung sind die obigen Daten Beleg für überaus reichliche Bürgerbeteiligung. Wir in der AG GRÜN der STV begannen aber zu erkennen, dass nur eine formale, zitierbare Beteiligung von der Verwaltung gewünscht wird. Siehe auch die Kritik des Frauenbeirats beim Senat für Stadtentwicklung (29.6.2010), Punkt 5. „Strategien zur Partizipation spielen im Auslobungstext und in den Wettbewerbsbeiträgen mit Ausnahme einer geplanten Bürger- und Bürgerinnenveranstaltung kaum eine Rolle. Damit wird eine Chance verpasst, Ideen und Vorstellungen der Bewohner/innen und potenziellen Nutzer/innen in die Planung zu integrieren“. Q: Ergebnisprotokoll KTO-Wettbewerb.

Besagte BürgerInnenveranstaltung findet am 7.12.2010 statt. Das farbige Informationsfaltblatt enthält unklare, irreführende und falsche Angaben/ Zeichnungen. Das erkennen engagierte Bürgerinnen aber erst im Laufe der weiteren Beschäftigung mit Plänen und dem KTO selbst. Und: einen verlässlichen Zugang zu Plänen gibt es erst viel später – im Juni 2011 – auf BürgerInnendruck –  durch Veröffentlichung auf der Internetseite des KoSP-Büros. Im Dez. 2010 mit  dem Vorwand „Urheberrechtsschutz“ der Pläne verweigert!

Zum weiteren Verlauf der Bürgerbeteiligung (2010 – 2012) siehe die Chronologie der Bürgerbeteiligung KTO in der „Ottopark-Zeitung, Ausgabe Eins, Aug. 2012 von der Bürgerinitiative KTO ( http://www.biktomoabit.wordpress.com ). Speziell zum Thema „Bäume und Bürgerbeteiligung bei Landschaftsplanung Kleiner Tiergarten/Ottopark in Berlin Moabit 2010/2011“, Reinhard Nake, Mai 2011.

Auf dem Ottospielplatz zeigen sich jetzt (Herbst 2012) Macken (auch potenzielle Gefährdungen von spielenden Kindern), die hätten vermieden werden können, wenn den Anregungen von BürgerInnen und Baumschützern gefolgt worden wäre: Lindenbäume erhalten, Spielsituationen weiter auseinander anlegen.
Weitere Ausführungen mache ich gern mündlich, wenn vom Ausschuss gewünscht.

Zum Schluss: In der Fachliteratur werden zwei gegensätzliche „Methoden“ der Bürgerbeteiligung unterschieden (vgl: Selle, Klaus: Unterm Schaufelbagger. Politische Kultur und Großprojekte in:oekom e.V., Hg.: Bürgerbeteiligung 3.0. München 2011, S 74)
D A D : Decide – Announce – Defend : Entscheiden – Ankündigen – Verteidigen
E D D : Engage – Deliberate – Decide : Einbeziehen – Überlegen – Entscheiden

Beim Kleinen Tiergarten-Ost versuchen engagierte BürgerInnen zur Zeit eine dritte Variante: tBÜ V : tätige Beteiligung  – Überzeugen der Verwaltung – Verbesserung der Planung.

Siehe:  http://www.buergerparkgruppemoabit.wordpress.com

Brigitte Nake-Mann
Bürgerinitiative SilberahornPLUS
2009 – 2010 Mitglied der STV Turmstraße und der damaligen AG GRÜN

Nachtrag am 6.11.12: Es war interessant, den neuen (seit Herbst 2011) Ausschuss kennenzulernen. Vom Bezirksamt waren Bürgermeister Dr. Hanke und Bezirksstadtrat C. Spallek da, der zum TOP 5.1 berichtete. Von den Gästen erhielten zwei Bürgerinitiativen und Herr Preuss vom KoSP-Büro und Frau Adner von der Stadtteilvertretung Turmstraße Rederecht zum TOP 5.1 Da hätte zum Ottopark gesprochen werden sollen (das ist der 1. u 2. Bauabschnitt) des Projekts KTO. Die Politiker, besonders der Bürgermeister, wollten aber lieber über die verbesserte Bürgerbeteiligung im KTO-Ost (6. u. 7. Bauabschnitt) sprechen und Lob hören. Kritik und Grundsätzliches zur Bürgerbeteiligung wurden abgewinkt.  Wegen fehlender Haushaltsmittel könne in Zukunft (und fehlender Sicht der Notwendigkeit) bessere Bürgerbeteiligung in B-Mitte nicht erwartet werden. BN-M

Wie gut kennen Sie den Kleinen Tiergarten? Einladung zu einem botanischen Rundgang

Die Planer für die Umgestaltung des Kleinen Tiergartens (Latz + Partner) scheinen nur dunkle Eiben, Buchs, Mahonie oder Feuerdorn zu kennen. So jedenfalls die Pläne (Stand 19.10.12) und die Legende, die bei der „Planungswerkstatt“ am 27.10.12 verteilt wurden.  Latz + Partner wollen den vorhandenen Strauchbestand fast völlig „umwälzen“. Sie sprechen abwertend mal von „grüner Mauer“, die es zu durchbrechen gilt und die in Heckenkörper auf vegetationslosem Boden zu verwandeln ist oder von „schütterem Buschwerk“ , was sie verdichten wollen und dafür sogar Wege verlegen. (Hauptsache: teure Erdarbeiten, sage ich). Latz + Partner weigern sich offenbar, die kunstvolle Komposition aus Blütensträuchern, wintergrünen und laubabwerfenden Sträuchern und deren Laubfarben, kombiniert mit Nadelgehölzen, die Willy Alverdes geschaffen hat, zur Kenntnis zu nehmen, insbesondere aber: diese den MoabiterInnen zu Bewusstsein zu bringen. Deshalb macht die Bürgerinitiative SilberahornPLUS das Angebot eines botanischen Rundgangs am Sonntag, 4. Nov. 2012, 14 – 16 Uhr.  Wir wollen aufspüren, was noch immer von der Alverdes’schen Planung vorhanden ist. Und auch, was von späteren Pflanzungen wert ist, erhalten zu werden.
Nach Rundgang und Bestandsaufnahme ist eine Auswertung im Café am Park geplant, damit möglichst konkrete Forderungen an die Planer, das KoSP-Büro und die Verwaltung gerichtet werden können; rechtzeitig vor dem nächsten „Planer-mit- den-Bürgern-Treffen“ am Sa. 24.11.12, ab 10 Uhr ! Die Einladung, auch zum Kopieren und Weitergeben: hier